Das Osnabrücker Umweltmanagement-Modell für Hochschulen ------------------------------------------------------------------
Die Bausteine und ihre Umsetzung
    Die Organisationsstruktur
(Baustein UM 1)

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Idealmodell

  Als Idealmodell der umweltbezogenen Hochschulorganisation wird eine Kombination aus funktional-additiver Erweiterung und Integration vorgeschlagen:
  • Stabsstelle Umweltmanagement als funktional-additive Erweiterung der Leitungsstrukturen: Die Stabsstelle ist zunächst für den Aufbau des Umweltmanagementsystems, später für die bereichsübergreifende Koordination sowie für konzeptionelle Aufgaben des Umweltmanagements zuständig. Hier werden zudem diejenigen Aufgabenbereiche abgedeckt, die keinen Dezernaten zugeordnet werden können (z.B. Ökobilanzierung).

  • Stärkung der Umweltbereiche in den Dezernaten als Integration der Umweltaufgaben in bestehende Strukturen: Wenig sinnvoll erscheint es, sämtliche umweltbezogenen Aufgaben einer zentralen Stelle zuzuweisen, da dann auch die entsprechenden Fachleute dort angesiedelt werden müßten. Stattdessen sollten in den einzelnen Dezernaten die Umweltbereiche verstärkt und zusammengelegt werden. So darf die Beschaffung von Materialien z.B. nicht ohne die gleichzeitige Berücksichtigung der später entstehenden Abfälle erfolgen. Beschaffungen von elektrischen Geräten haben wiederum Auswirkungen auf den Stromverbrauch der Universität.

  • Elemente zur übergreifenden Zusammenarbeit (Arbeitskreis Umweltschutz oder Projektgruppen) ergänzen diese Struktur, um alle Hochschulgruppen bei der Lösung von Umweltschutzproblemen einbinden zu können.
Die einzelnen Elemente werden im folgenden näher erläutert:
   

Vorschläge zur Organisation des Umweltschutzes in der Verwaltung

Einbindung des Präsidenten
(Baustein UM 1.1)

  Der Präsident (oder gegebenenfalls einer der Vizepräsidenten) wird als verantwortlicher Managementvertreter für die Anwendung und Aufrechterhaltung des Umweltmanagements bestellt. Qua seines Amtes ist er bereits mit den entsprechenden Befugnissen und Verantwortung ausgestattet, die zur Durchsetzung des Umweltschutzes notwendig sind. Die Bestellung eines Managementvertreters wird konkret durch die EG-Öko-Audit-Verordnung verlangt. Sie verdeutlicht auch den Beschäftigten den Stellenwert des Umweltschutzes an der Universität (»Umweltschutz ist Chefsache«). In Unternehmen arbeitende Umweltbeauftragte sehen »eine Unternehmensleitung, die sich aktiv für eine Verbesserung einsetzt und damit eine Vorbildfunktion erfüllt« als wirksame Förderer des innerbetrieblichen Umweltschutzes.

Änderung in den Dezernaten
(Baustein UM 1.3)

  Für den Bereich der Verwaltung wurde die Ist-Situation der Organisationsstruktur unter Umweltgesichtspunkten analysiert sowie Vorschläge entwickelt, wie die einzelnen Sachgebiete hinsichtlich der umweltschutzbezogenen Aufgaben gestärkt werden können. Ihre Umsetzung steht noch aus.

Koordinationsstelle Umweltmanagement
(Baustein UM 1.2)

  Darüber hinaus erscheint es notwendig, eine Koordinationsstelle Umweltmanagement einzurichten. Primäre Aufgabe soll der konzeptionelle ressourcenschonende Umweltschutz sein. Die Alternative, diese Aufgaben bestehenden Stellen zuzuweisen, bringt nur geringen Nutzen, da im Alltagsgeschäft kaum Zeit für konzeptionelle Aufgaben verbleibt. Eine Anbindung an den Präsidenten in Form einer Stabsstelle würde zum einen die notwendige personelle Kapazität schaffen und hätte zum anderen eine wesentlich höhere Durchsetzungskraft in der Universität. Die Stelle ist als Koordinator und Initiator von ressourcenschonenden Umweltschutzmaßnahmen und als Anlaufstelle für Fragen und Anregungen konzipiert. Sie dient damit als Bindeglied und Ansprechpartner zwischen der Hochschulleitung, der Verwaltung, den Fachbereichen, den Bediensteten, den Studierenden und der außeruniversitären Öffentlichkeit in allen Fragen des Umweltschutzes.

Abbildung zur übergreifenden Koordination des Umweltmanagements

Die Stelle des Koordinators Umweltmanagement der Universität Osnabrück wurde ab Oktober 1999, zunächst halbtags, eingerichtet; eine Aufstockung zu einer vollen Planstelle ist bisher nicht absehbar.

Umweltbeauftragter ›neuer Art‹
Bornemann und Willig erkennen zurecht, daß »ein Umweltbeauftragter ›neuer Art‹ ... beraten, kooperieren, führen und entscheiden und damit in der Lage sein [muß], komplexe, konfliktreiche Problemkreise über den ›eigenen Tellerrand‹ hinausblickend, managen zu können. Das heißt, über die von Beauftragten ›alter Art‹ wahrzunehmenden Überwachungs- und Kontrollfunktionen geht die zu erreichende Qualifikation eines solchen neu zu schaffenden ›betrieblichen Umweltbeauftragten‹ weit hinaus. Diese Umweltbeauftragten übernehmen - mit dem Management eines Unternehmens zusammen - die Aufgabe, ein Umweltmanagementsystem ... aufzubauen und funktionsfähig zu halten. Gleichzeitig hat dieser Umweltbeauftragte ... die Aufgaben eines Moderators, eines Promotors, eines Motivierers, eines umweltpolitischen Unternehmenssprechers und damit Öffentlichkeitssprechers, sowie eines Vermittlers und Lehrenden (und noch einige mehr) wahrzunehmen. Dies ist nicht mehr ohne Zusatzqualifikation zu leisten. Hierzu werden Fähigkeiten in der Pädagogik, der Didaktik, der Psychologie und der Soziologie benötigt.« (BORNEMANN und WILLIG 1996).

Abbildung mit beispielhaften Tätigkeitsfeldern eines Koordinator Umweltmanagements

Literatur
UNI OSNABRÜCK 1994: Idealkonzept für einen Umweltschutzbeauftragten für die Universität (unveröffentlicht). Osnabrück.
GOTTSCHICK ET AL. 1996: Sozial- & UmweltBilanz FH Hamburg-Bergedorf. Bericht im Rahmen des FH-Wettbewerbs »Wir fangen bei uns selbst an!«. Hamburg. S. 168
PFROMMER 1990: Umweltbeauftragte an Hochschulen. Konstanz.
KÖSTERMENKE ET AL. 1996: Ein Umweltmanagementsystem für Hochschulen. In: UVS (Umweltzentrum Villingen-Schwenningen) (Hrsg.): Integrierter Umweltschutz. Villingen-Schwenningen. ISSN 0948-3799. 1. Jahrgang, Sonderheft 3. Villingen-Schwenningen. S. 145
EILINGHOFF 1989: Umweltbewußte Unternehmensführung (dargestellt) am Beispiel des Hochschulbetriebes. Paderborn. S. 115 - 119
BORNEMANN und WILLIG 1996: Zukunftsorientierte Management-Aufgaben. Die aktive Umsetzung eines Umweltmanagementsystems im Unternehmen benötigt Umweltbeauftragte, Umweltbetriebsprüfer und Umweltmanager. In: Kristall (Hrsg.): Kristall. Köln. Nr. /96.
    Übergreifende Strukturen

Sachkundige für Umweltschutz in den Fachbereichen und anderen Organisationseinheiten
(Baustein UM 1.4)

  In allen Organisationseinheiten sollte eine Person als Sachkundige für Umweltschutz ernannt werden. Sie/er sollte als erste/r Ansprechpartner/in für die Mitglieder der Organisationseinheit dienen, wenn Fragen, Probleme oder Vorschläge zum Umweltschutz auftauchen. Dadurch sind kurze Verwaltungswege und Lösungen schon auf der kleinen Ebene möglich. Die Sachkundigen für Umweltschutz sollten für die Tätigkeit eine angemessene Zeit pro Woche freigestellt werden. Sie müssen eine Weiterbildung in Umweltfragen erhalten, die auf ihren Bereich zugeschnitten ist. Es sollten möglichst Personen ausgewählt werden, die bereits schon Interesse für Umweltschutz gezeigt haben.

Abbildung zur übergreifenden Koordination des Umweltmanagements

Arbeitskreis Umweltschutz
(Baustein UM 1.5)

  Der Arbeitskreis Umweltschutz ist bereits institutionalisiert worden. Er soll beim Aufbau des UMS weiterhin beratend und kontrollierend tätig sein. Als einzigem interdisziplinär zusammengesetztem Gremium (Vertreter aller Statusgruppen) kommt dem Arbeitskreis eine wichtige Bedeutung zu. Er sollte in Zukunft verstärkt für die Einbindung der verschiedenen Gruppen genutzt werden. Ergänzend zur bisherigen Vorgehensweise könnten Arbeitsgruppen gebildet werden, um gezielt einzelne Probleme zu diskutieren und Lösungsvorschläge zu erarbeiten.

Abbildung zur übergreifenden Koordination des Umweltmanagements

Temporäre themenbezogene Arbeitskreise
(Baustein UM 1.6)

  Viele Aspekte im Umweltschutz betreffen mehr als nur einen Umweltbereich. So hängt z.B. die Menge und Art der zu entsorgenden Stoffe direkt vom Einkauf der entsprechenden Produkte ab. Die Art der beschafften Computer hat z.B. Einfluß auf den späteren Energieverbrauch. Beim Neubau eines Gebäudes kann Einfluß auf eine Vielzahl von Stoffen genommen werden. Solche Fragen sollen in themenbezogenen Arbeitskreisen mit allen Betroffenen erörtert und abgestimmt werden. Diese Projektgruppen treten nur bei Bedarf und nur für die Dauer der Lösung eines Problems zusammen. Sie werden organisiert von der Koordinationsstelle Umweltschutz.
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© 2000 Peter Viebahn - letzte Änderung: Oktober 2000