Das Osnabrücker Umweltmanagement-Modell für Hochschulen ------------------------------------------------------------------
Die Bausteine und ihre Umsetzung
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Bausteine als Leitfaden für andere Hochschulen

  Wie in der Abbildung auf der vorherigen Seite ersichtlich ist, existieren vielfältige Beziehungen zwischen den einzelnen Bausteinen. Insbesondere die Bausteine UM 2, UM 4, UM 5 und UM 6 stehen nicht in einem statischen Verhältnis, sondern beeinflussen sich gegenseitig. Aus der ersten Umweltprüfung werden zunächst Umweltziele und ein Umweltprogramm abgeleitet. Die Umsetzung des Umweltprogramms wird Veränderungen der Umweltsituation zur Folge haben, was sich in den Ergebnissen der nächsten Umweltprüfungen niederschlagen wird. Unter Umständen werden in späteren Jahren auch zusätzliche Aspekte in die Ökobilanzen aufgenommen. Nach jeder Umweltprüfung werden Ziele und Programm revidiert. Die Ergebnisse der beschriebenen Schritte sind - über das Umweltinformationssystem - Grundlage für ein Öko-Controlling der Hochschulleitung und der Organisationseinheiten im Rahmen des uniweiten Hochschul-Controllings. Sie dienen gleichzeitig als Basis für Maßnahmen zur Mitarbeiter/innen/beteiligung und Weiterbildung, die, ebenso wie die Umweltleitlinien und externen Umweltvorschriften, die Handlungen der einzelnen Hochschulangehörigen beeinflussen. Diese haben wiederum Einfluß auf die Umweltsituation, was sich in den Ergebnissen der nächsten Umweltprüfung niederschlagen wird.

Hochschule als Ganzes betrachtet

  Im Gegensatz zu neueren Entwicklungen anderer Hochschulen, die nur einzelne Institute, Fachbereiche oder nur die Verwaltung betrachten und für diese Organisationseinheiten getrennte UMS aufbauen, bezieht sich das Osnabrücker Modell auf die Hochschule als Ganzes. Indem zunächst die Rahmenbedingungen für ein UMS geschaffen werden (Umweltleitlinien, Organisationsstrukturen, Ökobilanz, Umweltinformationssystem ...), wird hochschulweit das Bewußtsein geschaffen, daß »die Universität« sich dem Anspruch einer umweltverträglichen Betriebsweise verpflichtet fühlt. Ebenso werden zunächst die Stoff- und Energieflüsse der gesamten Hochschule analysiert sowie den einzelnen Gebäuden zugeordnet. Je nach Relevanz der einzelnen Umweltbelastungen kann dann in den verschiedenen Gebäuden, Fachbereichen, Instituten weiter in die Tiefe gegangen werden. Schließlich können so auch Kommunikations- und Informationsmaßnahmen für alle Hochschulangehörigen konzipiert werden und bleiben nicht auf einzelne Organisationseinheiten beschränkt. Ein entscheidender Vorteil der Osnabrücker Herangehensweise ist weiterhin, daß die herkömmliche Trennung in Verwaltung (liefert Energie, Wasser, Materialien ...) und Fachbereiche (erzeugt die »Produkte« der Hochschule) aufgehoben wird, um so ein Bewußtsein für die Umweltauswirkungen jedes einzelnen Arbeits- und Studienplatzes zu schaffen.

Umsetzung

  Für die meisten der oben dargestellten Bausteine wurden während des Projekts Konzepte zur Umsetzung an der Universität Osnabrück entwickelt. Für andere Hochschulen zeigen sie die Vorgehensweise bei der Umsetzung auf, sollten jedoch aufgrund der heterogenen Struktur der Hochschulen der jeweiligen Situation »vor Ort« angepaßt werden. Ein Teil der Bausteine wurde konkret an der Universität umgesetzt, beispielsweise die Entwicklung und Verabschiedung der Umweltleitlinien, die Aufstellung der Ökobilanz oder die Entwicklung und Durchführung begleitender Maßnahmen der Mitarbeitermotivation und -information bei der Umsetzung eines neuen Abfallkonzeptes. Die letzteren beiden Bereiche stellten auch den Schwerpunkt des Projekts dar.
 

Baustein UM 1

  Überblick über die Baussteine

Organisationsstruktur (funktional-integrativ)
Zur Integration des Umweltschutzes in die Aufbau- und Ablauforganisation der Hochschule wird eine funktional-integrative Organisationsstruktur vorgeschlagen. Statt einer eigenen Umweltschutzabteilung werden die Umweltaspekte in die bestehenden Aufgabenbereiche integriert und die bisher schon mit Umweltschutz befaßten Sachgebiete in der Verwaltung gestärkt. Ergänzt wird diese Struktur durch den »Koordinator Umweltmanagement«, der die einzelnen Umweltbereiche zusammenführt und koordiniert sowie als Anlaufstelle für Fragen und Anregungen fungiert. Unterstützt wird er durch den Arbeitskreis Umweltschutz und Projektgruppen.

Baustein UM 2

  Umweltleitlinien (intern)
Die Umweltleitlinien stellen die Umweltpolitik der Hochschule dar und schreiben die Handlungsgrundsätze des Umweltschutzes fest. Sie wurden vom Senat der Universität Osnabrück als erste Universität Deutschlands verabschiedet.

Baustein UM 3

  Umweltvorschriften (extern)
Für externe Umweltvorschriften wird ein Verfahren entwickelt, wie diese in der Hochschule registriert, fortgeschrieben und bekannt gemacht werden können. Dies ist nach der EG-Öko-Audit-Verordnung (EMAS) verpflichtend, ist aber auch ohne ein angestrebtes Öko-Audit zu empfehlen.

Baustein UM 4

  Umweltprüfung (Ökobilanz)
Über eine Umweltprüfung wird die Umweltrelevanz des Hochschulbetriebs ermittelt. Vorgeschlagen wird die Erstellung einer Ökobilanz in Anlehnung an die ISO 14 040, wie sie in Osnabrück durchgeführt wurde. Neben der reinen Stoff- und Energieflußanalyse, die in die Sachbilanz mündet, erfolgt damit auch eine Bewertung der Umweltwirkungen (Wirkungsbilanz).

Baustein UM 5

  Umweltziele
Aus dem Vergleich der in der Ökobilanz ermittelten Situation und dem Stand der Technik, den gesetzlichen Vorgaben, den Umweltleitlinien und der gesellschaftlichen Relevanz werden Umweltziele für alle Umweltbereiche aufgestellt. Sie werden vom Senat verabschiedet und damit vepflichtend für alle Hochschulangehörigen.

Bausstein UM 6

  Umweltprogramm
Zur Umsetzung der in den Umweltzielen beschriebenen Anforderungen wird ein Umweltprogramm mit Maßnahmen für alle Umweltbereiche aufgestellt. Während die Umweltziele mittelfristig erreicht werden sollen, gibt das Umweltprogramm kurzfristige Umsetzungsschritte vor. Die Aufstellung von Umweltzielen und Umweltprogramm ist verpflichtend nach der EMAS-Verordnung; die Umsetzung wird im Rahmen der externen Umweltprüfung überprüft.

Bausteine UM 7

  Umweltbericht
Baustein UM 7 beinhaltet die jährliche Erstellung eines Umweltberichts der Hochschule. Er soll die (Hochschul-) Öffentlichkeit über bereits erfolgte Umsetzungsmaßnahmen und über nach wie vor bestehende Defizite im Bereich des Umweltschutzes informieren. Die Erstellung des ersten Umweltberichts der Universität Osnabrück ist für das Jahr 2000 vorgesehen.

Bausteine UM 8

  Umweltinformationssystem
Mithilfe des Umweltinformationssystems (UIS) sollen alle relevanten Daten der Universität aus den Umweltbereichen erfaßt, verwaltet und präsentiert werden können. Das UIS soll zum einen die Erstellung der jährlichen Ökobilanz vereinfachen und zum anderen ein effektives Öko-Controlling ermöglichen. An der Universität Osnabrück wird das UIS als Teil des im Aufbau befindlichen Management-Informationssystems implementiert werden.

Bausteine UM 9

  Weiterbildung/Schulung
Ein wichtiger Baustein ist die Weiterbildung & Schulung der Hochschulangehörigen zu Aspekten des Umweltschutzes, zu der sich die Hochschule über die Umweltleitlinien verpflichtet hat. Im ersten Halbjahr 1998 wurde beispielsweise ein Paket von verschiedenen Veranstaltungen im Rahmen der Umsetzung eines neuen Abfallkonzeptes angeboten.

Bausteine UM 10

  Mitarbeiterbeteiligung/Öffentlichkeitsarbeit
Betrieblicher Umweltschutz führt erst zum Erfolg durch entsprechende Mitarbeiterbe-teiligung & Öffentlichkeitsarbeit. Durch eine kontinuierliche Information aller Beschäftigten über entsprechende Projekte im Rahmen des Umweltmanagements (Ausstellungen, Broschüren, Artikel) sowie eine freiwillige Beteiligung durch Arbeitskreise oder Umweltzirkel kann umweltfreundliches Verhalten gefördert werden. Im ersten Halbjahr 1998 wurden ent-sprechende Maßnahmen im Rahmen der Umsetzung eines neuen Abfallkonzeptes durchgeführt (Abfallhandbuch, Preisausschreiben, Abfall-Hotline ...).

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© 2000 Peter Viebahn - letzte Änderung: Dezember 2001