Das Osnabrücker Umweltmanagement-Modell für Hochschulen ------------------------------------------------------------------
Tagungen
Ergebnisse der Arbeitsgruppe 1: Ökobilanzierung Angekündigt war die Arbeitsgruppe mit folgenden Fragestellungen:

"Welche Erfahrungen wurden bisher mit der Erstellung und Bewertung von Ökobilanzen an Hochschulen gemacht? Welche Methodiken wurden verwendet?"

Moderation: Dirk Fischer
Berichterstatter: Peter Viebahn

Teilgenommen an der AG haben acht Teilnehmer/innen.

Die Arbeitsgruppe lief in zwei Schritten ab: Als Schwerpunkte kristallisierten sich in einem ersten "Brainstorming" fünf Themen heraus, zu denen im Zusammenhang mit Ökobilanzierung an Hochschulen Diskussionsbedarf bestand. Die einzelnen Themen wurden danach der Reihe nach durchgegangen und werden im folgenden mitsamt ihren einzelnen Diskussionspunkten dargestellt.

  1. Wie und von wem kann die Öko-Bilanzierung in einer Hochschule angestoßen werden?
    • Sinnvoll ist es, sich am Anfang einer Ökobilanzierung Verbündete zu suchen – seien es Studierende, Wissenschaftler oder Verwaltungsangehörige. Indem mehrere Personen hinter dem Projekt stehen, dürfte die Hochschulverwaltung leichter für eine Bilanzierung zu begeistern sein. Die Verwaltung sollte von Beginn an mit eingebunden sein, da ohne ihre Daten praktisch keine Bilanzierung möglich ist. Auch hier gilt es entsprechendes Interesse zu wecken.
    • Da eine Bilanzierung erheblichen Arbeitsaufwand und damit auch Kosten verursachen kann, sollten die ökonomischen Vorteile herausgestellt werden. Eine Bilanzierung der Stoff- und Energieflüsse deckt immer auch Kostenvermeidungspotentiale auf, sei es z.B. im Abfall- oder im Energiebereich. Daher sollten auch die Kosten mit bilanziert werden.
    • Je nach Motivation muß am Anfang der Bilanzierung entschieden werden, ob top-down (erst die gesamte Hochschule, dann einzelne Organisationseinheiten) oder bottom-up vorgegangen werden soll. Der top-down-Ansatz könnte sinnvoller sein, wenn man zunächst einen gesamten Überblick über die Hochschule bekommen möchte, wogegen der bottom-up-Ansatz gewählt werden sollte, wenn z.B. innerhalb einer Organisationseinheit bereits engagierte Hochschulangehörige vorhanden sind, die die Umweltsituation in ihrem Bereich untersuchen möchten.
    • Vor einer detallierten Datenerfassung könnte ein "Ökocheck" der Hochschule stehen, um einen ersten Überblick über die Umweltsituation in den einzelnen Bereichen zu bekommen. Er erleichtert auch die gezielte Vorgehensweise bei der folgenden Ökobilanzierung.
    • Die Diskussion über Leistungsindikatoren für Hochschulen sollte genutzt werden, um frühzeitig auch die Erstellung von Umweltindikatoren (Kennzahlen) in einem Kriterienkatalog festschreiben zu können (siehe Punkt 3).

  2. Welche Probleme gibt es bei der Datenerhebung?
    • Problem ist zunächst die Datenabgrenzung – sollen z.B. nur die Daten innerhalb einer Hochschule betrachtet werden oder sollen auch externe Daten in die Bilanzierung mit einfließen? Je nach Bilanzrahmen fällt dann auch die Datenerhebung unterschiedlich aus.
    • Die externen Daten werden auch oft als Vorketten bezeichnet (z.B. die Vorkette der Stromerzeugung mitsamt ihren Ressourcenverbräuchen und Emissionen). Ihre Erfassung ist erheblich schwieriger, so daß meist auf Standarddaten zurückgegriffen werden muß (siehe Punkt 3).
    • Die Datenabgrenzung kann auch motivationsbedingt sein: So werden Daten möglicherweise gar nicht in die Erfassung mit einbezogen, da man aus eigenen Erfahrungen davon ausgeht, daß ihre Bilanzierung überhaupt keine Folgen haben wird. Dies sollte jedoch nicht Voraussetzung der Bilanzierung sein, denn oft kann erst aufgrund der Ergebnisse einer Stoff- und Energieflußanalyse das Interesse bei Entscheidern geweckt werden, entsprechend zu handeln.

  3. Ist eine Standardisierung bei der Ökobilanzerstellung sinnvoll, und wie kann sie erreicht werden?
    • Zunächst sollte überlegt werden, ob ein hochschulübergreifender Vergleich überhaupt notwendig und sinnvoll ist. Bleibt es bei internen Vergleichen über einzelne Jahre, kann ein eigenes Bilanzierungssystem angewendet werden. Aber auch bei internen Vergleichen sollte ein sinnvolles Bewertungssystem gewählt werden, wenn über die Sachbilanz hinaus Aussagen getroffen werden sollen.
    • Bei externen Vergleichen ist zu fragen, ob gleich ganze Ökobilanzen verschiedener Hochschulen verglichen werden müssen. Aussagekräftig sind sicher auch einzelne Umweltkennzahlen wie Energieverbrauch pro Quadratmeter, Materialverbrauch pro Mitarbeiter oder Verkehrsleistung pro Studierender. Für Hochschulen sollten zumindest solche einheitlichen Kennzahlen entwickelt werden.
    • Bei einem externen Vergleich von Ökobilanzen wäre es sinnvoll, einzelne "Module", z.B. Vorketten, hochschulübergreifend zu definieren und zur Verfügung zu stellen, so daß einheitliche Werte verwendet würden. Beispielsweise müßte man sich bei der Stromvorkette über den Strommix einigen, der dem Strombezug zugrunde gelegt werden soll. Es könnten auch die Ergebnisse der eigenen Arbeit anderen Hochschulen zur Verfügung gestellt werden, z.B. eine einmalig durchgeführte Bewertung von Reinigungsmitteln. Dieser Bereich ist sicher auch ein wichtiges Tätigkeitsfeld des geplanten "Netzwerkes umweltfreundlicher Hochschulen" (Arbeitstitel).
      [Das Netzwerk ist seit 1. Juli 1999 unter dem Namen eco-campus.net am Netz .]

  4. Wie sollten die Stoff- und Energieflüsse (Sachbilanz) bewertet werden?
    • Es sollte kein kompliziertes Bewertungsverfahren für die Sachbilanz angewendet werden. Als zu umfangreich wurde beispielsweise das für Osnabrück durchgeführte Verfahren der Wirkungskategorien bezeichnet.
    • Es wurde auch darauf verwiesen, daß die Bewertungsverfahren ursprünglich für Produkt-Ökobilanzen entwickelt wurden, wo verschiedene Produkt-Alternativen bzgl. ihrer Umweltauswirkungen betrachtet werden müssen. Für Hochschulen gibt es im Prinzip keine Alternative, gegen die die jeweilige derzeitige Situation ausgetauscht werden könnte; es können nur Verbesserungen über die Jahre hinweg erreicht werden.
    • Teilweise können auch die Erfahrungen der Fachleute in den Verwaltungen genutzt werden, wenn es z.B. um die effizientesten Energieeinsparmaßnahmen geht. Hierzu brauchen nicht aufwendige Emissionsberechnungen durchgeführt werden.

  5. Erschwert der Unterschied von Privatwirtschaft zur Hochschule nicht die Ökobilanzierung mit den herkömmlichen Methoden?
    • Zunächst stark auf die gewerbliche Wirtschaft ausgerichtet war z.B. die EG-Öko-Audit-Verodnung, die auch eine Umweltprüfung innerhalb eines Betriebes vorschreibt. Inzwischen haben jedoch Beispiele aus Kommunen und aus Hochschulen gezeigt, daß sie problemlos übertragen werden kann. Es fällt dann z.B. der Produktionssektor weg. Eine Ökobilanzierung kann aber in jedem Fall durchgeführt werden, Problem ist jedoch die "funktionelle Einheit", auf die die Stoff- und Energieflüsse von Hochschulen bezogen werden (siehe Punkt 4).
    • Erschwerend ist jedoch die Tatsache, daß bei Hochschulen im Vergleich zu Unternehmen teilweise kein kontinuierlicher Betrieb vorliegt, da sich die Situation im Forschungs- und Lehrbereich jährlich ändern kann. Dies vermindert die Vergleichbarkeit innerhalb einer Hochschule und auch zwischen verschiedenen Hochschulen.

Start - Aktuell - UM-Modell - Hintergrund - Veröffentlichungen - Tagungen - Dokumente - Links - Kontakt

© 2000 Peter Viebahn - letzte Änderung: Oktober 2000