Das Osnabrücker Umweltmanagement-Modell für Hochschulen ------------------------------------------------------------------
Veröffentlichungen
Buchcover  

Viebahn, Peter; Matthies, Michael 1999 (Hrsg):
Umweltmanagement an Hochschulen – Konzepte, Strategien, Lösungen. 194 S. projekt verlag: Bochum. ISBN 3-89733-021-0.
Preis: 27 DM

Rezension von Andreas Herz,
erschienen in: ZAU - Zeitschrift für angewandte Umweltforschung


Seit Mitte der neunziger Jahre wird Umweltschutz nicht mehr nur in Wirtschaft und Gesellschaft sondern auch in den Hochschulen diskutiert. Dabei geht es nicht nur um die Umweltforschung und Umweltbildung sondern auch um die Umsetzung von Umweltmanagementkonzepten auf dem Hochschulcampus. Dabei rücken die Schlagworte wie "Nachhaltigkeit" und Öko-Audit mehr und mehr in den Mittelpunkt der Debatte. Verantwortlich dafür zeichnet sich neben dem Verlangen der Hochschulen und einzelner Hochschulangehöriger, sich dieser Problematik zu stellen, auch das COPERNICUS-Programm, welches 1988 von der Conference of European Rectors ins Leben gerufen wurde. Eine besondere Rolle spielt dabei die 1993 entworfene und von mittlerweile 270 europäischen Universitäten unterzeichnete COPERNICUS-Charter. Diese Charter hat zum Ziel, die Agenda 21 und das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung auf Hochschulebene umzusetzen. Dabei geht es neben der Umsetzung nachhaltiger Entwicklungsziele auch um die Verbesserung des Umweltschutzes an Hochschulen.

Vor diesem Hintergrund soll die von VIEBAHN und MATTHIES herausgegebene Aufsatzsammlung vorgestellt und diskutiert werden. Die Aufsatzsammlung unterteilt sich in drei Teile und widmet sich in insgesamt 16 Aufsätzen dem Umweltschutz und dem Umweltmanagement an Hochschulen. Das Buch ist aus einer Tagung im November 1998 in Osnabrück hervorgegangen, wobei die folgenden Beiträge zum Teil bei der angesprochenen Tagung präsentiert wurden.

Der erste Abschnitt der Aufsatzsammlung beschäftigt sich mit dem Osnabrücker Umweltmanagement-Modell. VIEBAHN stellt hier das Konzept und den Entwicklungsstand des Osnabrücker Umweltmanagement-Modells für Hochschulen vor, welches aufgrund seiner Ausgestaltung auch auf andere Hochschulen übertragen werden kann. Das Modell setzt sich aus 12 Umweltmanagement Bausteinen zusammen, die sich am EMAS-lnstrumentarium orientieren. Führt man die Bausteine zusammen, so VIEBAHN, ergibt sich ein Umweltmanagementsystem für eine Hochschule.

ln einem zweiten Beitrag widmet sich VIEBAHN der Aufstellung einer Ökobilanz für die Universität Osnabrück und einer entsprechenden Bewertung. Grundlage für die Erstellung einer Ökobilanz sind die vier Phasen Zieldefinition, Sachbilanzerstellung, Wirkungsabschätzung und Optimierungsanalyse, denen jeweils eine geplante ISO-Norm zugeordnet ist.

Abgeschlossen wird der erste Abschnitt des Buches mit Beiträgen von SCHLESIGER zur Mitarbeiterbeteiligung und -information bei der Umsetzung eines neuen Abfallkonzeptes an der Universität Osnabrück und BERENS über ein Umweltinformationssystem als Teil des Management-Informationssystems. In einer anschaulichen Art vermittelt SCHLESIGER die Notwendigkeit von Mitarbeiterbeteiligung im Rahmen der Umsetzung eines Umweltmanagementsystems. Besonders die Plakatbeispiele zur Mitarbeiterinformation über das Abfallkonzept an der Universität Osnabrück beeindrucken durch ihre Gestaltung und Aussagekraft. Der Beitrag von BERENS zeigt hingegen auf, welchen Anforderungen die bei einer Ökobilanz erhobenen Daten genügen müssen, damit die Universitätsverwaltung mit diesen auch effektiv arbeiten kann. Deshalb ist ein Umweltinformationssystem vonnöten, dessen Struktur hier vorgestellt wird.

Der zweite Abschnitt der Aufsatzsammlung beschäftigt sich mit Maßnahmen anderer deutscher und einer brasilianischen Hochschule zum Aufbau eines Umweltmanagements. Die Beiträge von ALBRECHT (TU Berlin), FRANK (Universität Blumenau/Brasilien), FÖRSTER/FRITZSCHE/SÖVEGJARTO-WIGBERS (Universität Bremen), KRACHT (Fachhochschule Hamburg) GOTTSCHICK (Universität Hamburg) NOEKE/WAGNER (Gesamthochschule Paderborn) stellen die Aktivitäten verschiedener Hochschulen zum Aufbau eines Umweltmanagementsystems dar. Besonders der Beitrag von Gottschick ist hinsichtlich der Tatsache hervorzuheben, daß er auf die Charakeristika der Hochschulorganisation eingeht. Gerade diese Zusammenhänge sind von besonderer Bedeutung, wenn man Instrumentarien zum Aufbau eines Umweltmanagementsystems anwenden will, die sich nur mit einigen Problemen auf Hochschulen übertragen lassen.

Alle gerade aufgelisteten Beiträge ziehen neben dem EMAS-lnstrumentarium auch die ISO 14001-Norm zum Aufbau eines Umweltmanagementsystems heran. Speziell die ISO 14001-Norm erfährt an den Universitäten Blumenau, Bremen und der Gesamthochschule Paderborn ihre Anwendung. So wird in Bremen und Paderborn der Aufbau eines Umweltmanagmentsystems exemplarisch für einen Fachbereich durchgeführt, um die dabei gewonnenen Erfahrungen dann bei der Umsetzung eines Umweltmanagementsystems für die ganze Hochschule einzubringen. Der Beitrag von KRUHL über Verbrauchskennwerte als Grundlage zur Ermittlung von Einsparpotentialen an der Universität Hannover stützt die Ausführungen von BERENS bezüglich der Notwendigkeit eines Umweltinformationssystems. Er verdeutlicht, daß über einen Vergleich von Verbrauchs- und Bedarfskennwerten die Bereiche an einer Hochschule identifiziert werden können, welche die größten Einsparpotentiale an Ressourcen bieten. Genau in diesen Bereichen haben dann entsprechende Umweltschutz anzusetzen.

Drei weitere Beiträge aus dem zweiten Abschnitt sind an dieser Stelle besonders hervorzuheben, da diese sich aus einer anderen Blickrichtung der Umweltschutz- und Nachhaltigkeitsproblematik an Hochschulen nähern. JÜNEMANN stellt das Projekt "Nachhaltige UniDO" - interdisziplinäre Studienprojekte zur Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung an der Universität Dortmund - vor. Ein Koordinationskreis bestehend aus Studierenden, WissenschaftlerInnen und Vertreterinnen des Hochschuldidaktischen Zentrums der Universität Dortmund fungiert als Projektleitung für das Vorhaben, in partizipativen Prozessen und interdisziplinären Lern- und Lehrformen die Umsetzung der Agenda 21 und des Leitbildes der nachhaltigen Entwicklung an der Universität Dortmund umzusetzen. Dieser Koordinationskreis vertritt das Projekt innerhalb und außerhalb der Universität. In Einzelprojekten erarbeiten Studierende unter Betreuung eines Wissenschaftlers und mit Unterstützung eines Tutors ein Teilprojekt, welches eine Beitrag zur Nachhaltigkeit an der Universität Dortmund leistet. Die Aufgabe des Tutors ist dabei, die Projektgruppensitzungen zu moderieren und die Gruppen bei der Erstellung der Forschungsergebnisse zu unterstützen.

Auch der Agenda-Prozeß an der Universität Lüneburg, Beitrag von MICHELSEN, hat das Ziel, die Agenda 21 und das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung an der Universität umzusetzen. Bei diesen Aktivitäten stützt sich die Universität Lüneburg auf die COPERNICUS-Charter und versucht das Konzept der Nachhaltigkeit in verschiedenen Veranstaltungen an der Hochschule zu propagieren. Hervorzuheben ist, daß eine Senatkommission gebildet wurde, welche sich mit dem Thema Agenda 21 und Hochschule beschäftigt und einzelne Projekte in Absprache mit allen Hochschulgruppen angeht.

Interessant ist auch der Bericht von BÖHMER/FISCHER über ein Projekt von Studierenden an der Universität Oldenburg, welches sich mit der Erstellung einer Ökobilanz für die Universität Oldenburg beschäftigt. Die Autoren verdeutlichen den unschätzbaren Wert von "lerning by doing"-Ansätzen speziell für Studienprojekte. Dennoch weisen sie darauf hin, wie umfangreich vorbildliche Studien und Projekte zur Erstellung einer Ökobilanz sind und daß man ohne Kooperation mit anderen Statusgruppen an der Hochschule nur geringe Erfolge erzielen kann.

Der dritte Abschnitt des Buches von VIEBAHN/MATTHIES enthält eine Zusammenfassung der Ergebnisse der anfangs erwähnten Osnabrücker Tagung zum Umweltmanagement an Hochschulen sowie die hier ausdrücklich hervorzuhebene Ankündigung zum Aufbau eines Netzwerkes für eine umweltgerechte Entwicklung der Hochschulen. Speziell die Ziele und Bedeutung eines solchen Netzwerkes werden hier kurz erläutert.

Die von VIEBAHN/MATTHIES herausgegebene Aufsatzsammlung zum Thema "Umweltmanagement an Hochschulen" ist schon aufgrund der Tatsache zu loben, daß auf Seiten der Hochschule und ihrer Statusgruppen immer mehr erkannt wird, daß auch Hochschulen sich dem Leitbild der Nachhaltigkeit und sich ihrer in diesem Rahmen zufallenden gesellschaftlichen Verantwortung nicht entziehen können. Dabei zeigen die einzelnen Kurzbeiträge, auf welche verschiedene Art und Weise sich die einzelnen Hochschulen bzw. die jeweiligen Akteure in der Hochschule der Problematik nähern. Es läßt sich feststellen, daß die auf Seiten der Wirtschaft seit Anfang der neunziger Jahre diskutierten Öko-Audits auch zu einem wesentlichen Bestandteil des Umweltmanagements an Hochschulen werden. Das aber ein entsprechendes dem Charakter der einzelnen Hochschule angepaßtes Umweltmanagementsystem vonnöten ist, wird auch von allen Beiträgen direkt oder indirekt anerkannt. Dennoch wird deutlich, daß der Aufbau eines Umweltmanagementsystems zu sehr in den Mittelpunkt hinsichtlich der Vision "Nachhaltige Hochschule" rückt. Nur wenige Beiträge der Aufsatzsammlung schaffen es aufzuzeigen, daß es neben einem funktionierenden Umweltmanagementsystem auch darum geht, den Bereich der Forschung und Lehre hinsichtlich der Nachhaltigkeit kritisch zu hinterfragen. Auch wird viel zu selten auf die gesellschaftliche Verantwortung und Bedeutung von Hochschulen hingewiesen. Leider schaffen es einige Beiträge die für Hochschulen so wichtige Bedeutung der COPERNICUS-Charter, die explizit die wichtigsten Ansatzpunkte zur Umsetzung eines vorbildlichen Umweltschutz und des Leitbildes der nachhaltigen Entwicklung auf Hochschulebene behandelt, zu ignorieren. Damit verschließen sich diese Beiträge einer aktuellen Diskussion, die in alle Hochschulen hineingetragen werden sollte.

Es muß an dieser Stelle aber auch gesagt werden, daß die Lektüre dieser Aufsatzsammlung dem/der vorgebildeten LeserIn interessante Ansätze und Ideen zur Umsetzung von Umweltmanagement- und Nachhaltigkeitskonzepten bietet. Jedoch kann die Veröffentlichung dem/der EinsteigerIn nicht als Handbuch oder Anleitung zur Umsetzung der vorgeschlagenen Konzepte, Strategien und Lösungen dienen. Dafür empfielt sich eine direkte Kontaktaufnahme mit den jeweiligen Hochschulen bzw. AutorInnen. Abschließend zeigt diese Aufsatzsammlung jedoch, daß die Hochschulen aus ihrem lang andauernden Desinteresse bezüglich der Umweltschutz- und Nachhaltigkeitsproblematik erwachen. Dabei entstehen Aktivitäten auf Seiten aller Hochschulgruppen, um sich eben jener diskutierten Problematik zu stellen und nach Lösungen zu suchen. Es scheint jedoch nicht das alleingültige Konzept zum Aufbau eines Umweltmanagements vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeit zu geben. Vielmehr geht es darum, sich in einem ganzheitlichen, integrierten Ansatz der Umweltschutz- und Nachhaltigkeitsproblematik zu stellen. Deshalb sind an dieser Stelle ausdrücklich die Umweltleitlinien der Universität Osnabrück zu erwähnen, die VIEBAHN im ersten Abschnitt der Aufsatzsammlung als Anhang aufführt. Diese Leitlinien verdeutlichen die gesellschaftliche Verantwortung der Hochschulen im Rahmen der nachhaltigen Entwicklung und fordern explizit, daß die Hochschule mit allen ihren Mitgliedern und unterschiedlichen Leistungsbereichen zusammen an der Umsetzung von Umweltschutzmaßnahmen und der Ausrichtung der Hochschule am Konzept der Nachhaltigkeit arbeiten müssen. Diese Umweltleitlinien der Universität Osnabrück sind als vorbildlich zu bezeichnen und es ist zu hoffen, daß der/die LeserIn dieser Aufsatzsammlung die vielen unterschiedlichen Anregungen aufgreifen kann, um diese Leitbilder und Visionen an der eigenen Hochschule umzusetzen.

Dipl.-Volksw. Andreas Herz, Zentrum für europäische Studien (ZeS) an der Universität Trier

erschienen in: ZAU - Zeitschrift für angewandte Umweltforschung, 12 (4) 431-433


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