Das Osnabrücker Umweltmanagement-Modell für Hochschulen ------------------------------------------------------------------
Veröffentlichungen
Buchcover   Viebahn, Peter 1995:
Energieeinsparung durch Nutzlicht-Contracting – Ein Einsparkraftwerk für die Universität Osnabrück und die Widerstände dagegen. 156 S. Verlag Ch. Möllmann: Paderborn. ISBN 3-931156-04-4.
Preis: 19,80 DM

Die Einleitung als Leseprobe


»Und nun forderte die Prinzessin die Geladenen durch eine gnädige Handbewegung auf, ihre Plätze zu nehmen ... Jeder ... ließ sich's zunächst angelegen sein, über seine Schicksale während der letzten Sturmnacht zu berichten, und alle waren einig darin, daß das schöne Schloß, darin nur alle Fenster klapperten und in dem man in jedem Augenblicke fürchten müsse, von einem Nordwester gepackt und weggeweht zu werden, doch mehr ein Sommer- als ein Winterschloß sei. ›Ja‹, sagte die Prinzessin, ›das ist leider so, davon kann ich mein liebes Frederiksborg nicht freisprechen, und was fast noch schlimmer ist, ich kann auch nichts dagegen tun und muß eben alles lassen, wie's ist.‹ Und nun erzählte sie mit der ihr eigenen Jovialität, wie sie vor Jahr und Tag schon einen feierlichen Antrag auf ›schließende Türen und Fenster‹ gestellt habe, was ihr aber von der betreffenden Verwaltungs- oder Baukommission rund abgeschlagen worden sei, weil die Bewohnbarkeit des Schlosses oder doch wenigstens die Brauchbarkeit der Kamine mit dem Fortbestand undichter Fenster im nächsten Zusammenhang stehe; schließende Fenster würden gleichbedeutend sein mit Kaminen, die nicht brennen. ›Und seitdem ich das weiß, hab' ich mich in mein Schicksal ergeben...‹ «.

Was Theodor Fontane 1890 in seinem Roman »Unwiederbringlich« (FONTANE 1959, S. 146f) beschrieben hat, hat auch mehr als 100 Jahre später noch nichts von seiner Aktualität verloren. Das Schloß (und die anderen Gebäude der Universität) werden zwar nicht mehr von einer Prinzessin, sondern vom Kanzler der Universität verwaltet, in die Position der »Verwaltungs- oder Baukommission« ist inzwischen das Staatshochbauamt getreten, und die Probleme sind nicht mehr nur undichte Türen und Fenster - der Kern des Übels ist jedoch geblieben. Wie anders ist es sonst zu erklären, daß die Universität schon »vor Jahr und Tag«, nämlich 1984, über das Staatshochbauamt Osnabrück beim Land Niedersachsen beantragt hat, die Beleuchtungsanlage des Allgemeinen Verfügungszentrums (AVZ), einem der Hauptgebäude der Universität mit 11.241 m² Hauptnutzfläche aus dem Jahre 1972, auf den neuesten Stand der Technik zu bringen. Während damals eher wirtschaftliche Gründe für die Sanierung sprachen (nach heutigen Preisen fallen Jahr für Jahr ca. 100.000 DM an überflüssigen Stromkosten an), hat die Angelegenheit angesichts der Klimadiskussion eine ganz neue Dimension bekommen (die Verschwendung von jährlich ca. 400.000 kWh Strom bedeutet eben auch einen vermeidbaren Ausstoß von jährlich 346 Tonnen CO2). Es blieb nicht bei dem einen Antrag der Universität (siehe die Chronik in Kapitel 5), doch nachdem die Baumaßnahme immer wieder abgelehnt wurde, schien auch die Universität sich ihrem Schicksal ergeben zu haben.

Die Freude über eine dann 1993 doch plötzlich gewährte Teilrate von 200.000 DM währte auch nicht lange, denn das für die Ausschreibung zuständige Staatshochbauamt in Osnabrück hatte »auch noch anderes zu tun« (NOZ 1994), als die Sparmaßnahme nun zügig umzusetzen. So verfiel das Geld im November 1993 nach neunmonatiger Planung wieder aufgrund einer Ausgabensperre des Landes. »Verwaltungs- oder Baukommissionen« scheinen eine typisch deutsche Frage zu sein.

Will man sich nicht weiterhin dem Schicksal ergeben wie die Fontanesche Prinzessin, stellt sich die Frage, wie angesichts knapper bzw. leerer Kassen eine Lösung des Problems gefunden werden kann. Die einzige zur Zeit denkbare Möglichkeit ist die Finanzierung und Durchführung der Einspar-Maßnahme über einen externen Geldgeber (Contractor). Ziel dieser Arbeit ist es daher, mit der Entwicklung eines Beleuchtungs-Contractings einen Weg aufzuzeigen, wie kurzfristig die Beleuchtungsanlage der Universität auf die effizienteste Technik umgerüstet werden kann. Anstatt zum wiederholten Male Energieszenarien zu entwickeln, steht hier die Umsetzung einer konkreten Stromeinsparung im Vordergrund. Die vorliegende Arbeit ist so angelegt, daß sie auch auf andere Gebäude mit ähnlich veralteten Beleuchtungsanlagen übertragen werden kann. Da es eine Vielzahl solcher Gebäude gibt, könnten - bei entsprechendem Willen der Nutzer/innen - die von allen beklagte Tatenlosigkeit im Klimaschutz zumindest im Beleuchtungssektor überwunden und kurzfristig erhebliche Stromeinsparungen realisiert werden.

Zur Darstellung der wichtigsten Grundlagen dient Abschnitt II, in dem u.a. eine Einführung in das Instrument des Contractings und in die Beleuchtungstechnik gegeben wird. Weiterhin werden Verfahren beschrieben, mit denen anhand von Vergleichskennzahlen der Stromverbrauch einer Beleuchtungsanlage beurteilt werden kann.

Abschnitt III zeigt anhand des AVZs auf, wie der Stromverbrauch einer Beleuchtungsanlage ermittelt werden kann, wie eine neue Beleuchtung dimensioniert werden muß, welche Auswirkungen die Sanierung auf die jährlichen Kosten hat und wie die Wirtschaftlichkeit einer Investition zu beurteilen ist.

Abschnitt IV widmet sich nur dem Nutzlicht-Contracting. Zunächst werden verschiedene Contracting-Modelle betrachtet und die Auswirkungen von unerwarteten Stromverbrauchs- und Strompreisänderungen auf die Rückzahlung dargestellt. Anhand der in Abschnitt III ermittelten Daten wird ein Contracting-Vertrag für die Universität Osnabrück entworfen, der auch von anderen Hochschulen übernommen werden kann. Den Stadtwerken Osnabrück wird empfohlen, Nutzlicht-Contracting in eine allgemeine »Licht-Strategie« aufzunehmen. Schließlich werden weitere Möglichkeiten für Beleuchtungs-Contracting an der Universität aufgeführt.

Um etwas Licht in die haarsträubenden Vorgänge und Widersprüchlichkeiten von Staatshochbauamt und Ministerien zu bringen, die angesichts der zunehmenden ökonomischen und ökologischen Probleme rational nicht mehr zu erklären sind, wäre eine umfassendere Untersuchung nötig. Einerseits scheinen die verschiedensten (Des)Interessen der beteiligten Akteure stärker zu sein, als allgemein vermutet wird. Andererseits sind klar erkennbare Hemmnisse vorhanden (Unwissen, rechtliche Rahmenbedingungen u.a.), deren Änderung möglich ist. Während letztere in Kapitel 2 kurz angerissen werden, sei die Beschäftigung mit den bestehenden Strukturen, z.B. den zutage tretenden »Mechanismen der Herrschaftssicherung« (siehe MÜLLER 1979) und dem »wir können ja auch nichts dagegen tun« den Leser/inne/n selbst überlassen.

Vorweg sei noch erwähnt, daß die Untersuchung eine Grobanalyse darstellt, da nicht für jeden Raum oder Flur eine konkrete Anzahl von Leuchten berechnet wurde, was den Rahmen dieser Arbeit gesprengt hätte. Falls noch weitere Jahre bis zur Neuinstallation vergingen, wäre die Feinanalyse angesichts öfter vorkommender Nutzungsänderungen außerdem schnell wieder überholt.

Dies ist jedoch hoffentlich nicht der Fall - vielmehr sollte nun schnellstmöglich die Umsetzung der Energieeinsparung in Angriff genommen werden.

Alle Leser/innen seien aufgefordert, mit aufmerksamen Blick (an die Decke) durch ihr jeweils benutztes Gebäude zu gehen und selber weitere Umrüstungsmaßnahmen anzustoßen. Jedes so erstellte »Einsparkraftwerk« würde den Bau neuer »herkömmlicher« Kraftwerke vermeiden helfen.


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© 2000 Peter Viebahn - letzte Änderung: Oktober 2000