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Lehre


Eberhard Umbach
Globalisierung
Aspekte; Einflußfaktoren; 
Auswirkungen auf Umwelt, Entwicklung, Frieden;
Strategien
Am 10.11.99 im Rahmen des Studium generale „Umwelt-Entwicklung-Frieden“ 
mündlich vorgetragene Fassung, einschließlich wegen Zeitmangel ausgelassener 
Passagen, mit Ergänzungen aus Dez. 1999 und Januar 2000
Globalisierung als Schreckgespenst, „Globalisierungsfalle“
Die beiden Spiegel-Autoren H.-P. Martin und H. Schumann machen ein Hotel in San 
Francisco und dort eine Tagung der Gorbatschow-Stiftung zur Bühne für eine 
düstere Prognose: 20 % der arbeitsfähigen Bevölkerung werde im kommenden 
Jahrhundert ausreichen, um die Weltwirtschaft in Schwung zu halten“  (1997, S. 39)
Globalisierung als Job-Killer, Zerstörer des sozialen Netzes sind Bezeichnungen, 
die sich daraus ableiten. Entsprechend emotional ist die Diskussion.
Begriffsbestimmung und Problemstellung: 
  1.  im wörtlichen Sinn: 
    Zunehmende Vernetzung und Integration der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen 
    Abläufe über den ganzen Globus hinweg, auf Weltebene.
    Beispiele für weltweite wirtschaftliche Vernetzung: 
    Jeder Supermarkt ist ein Beispiel für Globalisierung: Kiwifrüchte aus NZ, Obst im 
    Winter aus Chile, Textilien aus Indien, Computerteile aus Taiwan. Wenn die 
    Einkaufspreise der Importeure für diese Güter fallen, haben die dortigen 
    Produzenten weniger Einkommen und können sich weniger Autos und Maschinen 
    aus Deutschland leisten. Gibt der Importeur und der Handel die Differenz an die 
    Kunden weiter, hat unser Einkommen an Kaufkraft gewonnen. Wegen der möglichen 
    Nachfragerückgänge aus den Importländer bei Autos und Maschinen geht aber evt. 
    in der nächsten Periode auch das Einkommen bei uns zurück.
    Beispiele für gesellschaftliche Vernetzung:
    Weltweit wird die Technologie der Industrieländer eingesetzt. Z.B. werden die Dörfer 
    in der Elfenbeinküste über Fernsehgeräte im Dorfgemeinschaftshaus mit dem 
    staatlichen Fernsehprogramm versorgt, das insbesondere amerikanische und 
    europäische Filme zeigt. Damit gestalten die westafrikanischen Dorfbewohner aber 
    nicht nur ihre Abende, sondern sie übernehmen auch mittelfristig das 
    Anspruchsniveau der Industriegesellschaften bezüglich individuelle Entfaltung, 
    Bildung, Demokratie und Konsum. Mittelfristig werden sie versuchen, für sich 
    dieselben Standards zu erreichen. Wenn Ihnen das wegen niedrigem 
    Bildungsniveau, der Korruption ihrer Regierungen, aber auch wegen der 
    Schuldenkrise nicht gelingt, machen sie möglicherweise den Westen, d.h. uns dafür 
    verantwortlich. Und sie versuchen, dem heimischen relativen Elend zu entrinnen, 
    entweder indem sie eine höhere Bildung anstreben oder indem sie nach Europa 
    auszuwandern versuchen. 
    Der Export von Filmen in den Süden ist also mit ursächlich für die 
    Wanderungsbewegungen von Afrika nach Sizilien oder nach Spanien über die 
    Straße von Gibraltar. Er trägt dazu bei, daß die Grenzpolizei einiger EU-Länder 
    immer mehr ausgebaut werden muß und bei einigen Mitbürgern das 
    Bedrohungsgefühl zur Wahl von rechtsradikalen Parteien führt.
    Es gibt also nicht einseitige Abhängigkeiten, etwa der genannten Länder von uns als 
    dem reichen Norden, sondern Interdependenzen, gegenseitige Abhängigkeiten:
  2. im pragmatischen Sinn:
    Im Alltagsgebrauch des Begriffes steht Vernetzung und Integration über die 
    bisherigen nationalen Grenzen hinweg im Vordergrund, ohne Berücksichtigung, ob 
    tatsächlich der ganze Globus betroffen ist. 
    Für die deutsche Situation ist damit einerseits die europäische Integration relevant 
    und andererseits das Verschwinden des Eisernen Vorhangs quer durch Europa. 
    Damit sind die eben skizzierten Interdependenzen nicht nur gegeben für die Länder 
    des sog. Südens, sondern auch im Verhältnis zu Ländern wie Portugal oder 
    Griechenland als EU-Mitgliedstaaten, wie Tschechien, die Slowakische 
    Republik,Ungarn, Polen als EU-Beitrittskandidaten und wie die Russische 
    Föderation als Nachbar ohne direkte Aussicht auf Mitgliedschaft. Zu allen diesen 
    Ländern besteht, von Deutschland aus gesehen, ein erhebliches Wohlstands- und 
    Technologiegefälle. 
    Für die EU-Mitgliedstaaten ist der Prozess der Angleichung im Gange. Die 
    Einführung des Euro ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Ob er gelingt, wird 
    sich in den nächsten Jahren zeigen. Ich bin zuversichtlich, wenn auch nicht absolut 
    sicher, daß die EU per saldo mehr positive als negative Wirkungen auf die 
    Lebensqualität der EU-Bürger haben wird.
    Offen ist die Weiterentwicklung der Beziehungen der EU zu allen anderen Staaten. 
    Viele ungelöste Probleme existieren in der Ausgestaltung dieser Globalisierung mit 
    den Ländern des ehemaligen Ostblocks, beginnend mit den Beitrittskandidaten, 
    weiter mit der Russischen Föderation, mit den Schwellenländern Ost- und 
    Südostasiens und Nordafrikas und mit den Ländern, die in UN-Statistiken als “mit 
    niedrigem Einkommen” eingestuft werden. Für die EU relevant sind dabei 
    insbesondere die Länder in Afrika südlich der Sahara.
    Im heutigen Referat möchte ich die pragmatische weitere Begriffsbestimmung 
    verwenden. Globalisierung ist also heute insbesondere der Abbau von Grenzen aller 
    Art, nicht nur wirtschaftlicher Grenzen, zu diesen Ländern östlich der Oder bis an 
    den Pazifischen und den Indischen Ozean und südlich des Mittelmeers; und dem 
    entsprechend das Anwachsen der Vernetzungen und Interdependenzen.
    Dabei kann es heute nicht darum gehen, eine Gesamtdarstellung und Beurteilung 
    dieses Phänomens zu geben. Ich kann heute nur einige Aspekte skizzieren.
    

     

  • Bereiche und Ursachen der G.:
    Globalisierung ist ein für die Entwicklung der Menschheit typisches Phänomen: auch 
    die Ausbreitung der Menschen über die fünf Kontinente außer der Antarktis kann 
    man als G. bezeichnen, ebenso die Großreiche z.B. der Römer oder der Mongolen 
    unter Dschingis Khan. Die heutige Welle von G. ist sehr eng verknüpft mit der 
    Eroberung der Welt durch die Europäer seit dem Ende des 15. Jhdts.. Das geschah, 
    wie wir häufig glauben, wegen unserer überlegenen Kultur. Leider beruhte es 
    tatsächlich vor allem auf der Überlegenheit der Feuerwaffen in den Händen von 
    besonders skrupellosen Vertretern der europäischen Kultur in Asien und Afrika. Das 
    alles will ich weder darstellen noch beurteilen, aber man muß sich darüber klar sein, 
    daß diese Geschichte laufend die Gegenwart und die Zukunft mit beeinflußt, 
    insbesondere wenn es um G. geht.
    
    Bereiche der Globalisierung:
    Ein flüchtiger Leser des Buchs “Die Globalisierungsfalle” denkt bei G. vor allem an 
    Wirtschaft, und auch da vorwiegend an billige Importe, die deutsche Produkte 
    verdrängen, an Betriebsgründungen deutscher Firmen in Polen oder Tschechien 
    (Kapitaltransfer), mit denen deutsche Arbeitnehmer und deren Vertreter von den 
    Firmenleitungen in Richtung niedrigerer Löhne erpreßt werden, und an tropische 
    Steuerparadiese, wo Kapitalbesitzer ihre Gewinne dem deutschen Fiskus entziehen. 
    Das sind unbestreitbare Tatsachen, aber als solche nur Teilaspekte in einem sehr 
    viel komplexeren Gesamtbild.
    G. bezieht sich auch auf
    - den deutschen Export, der in Deutschland Einkommen schafft,
    - die Verkehrsverbindungen und dabei auch die beispiellosen Preisstürze im 
    Luftverkehr, zugunsten der Verbraucher in den Industrieländern,
    - den Tourismus, dem die Deutschen immer noch wachsende Anteile ihres 
    Einkommens widmen;
    - den kulturellen und Freizeit-Bereich: Musik, Kino, Fernsehen, Literatur sind heute 
    Weltphänomene, Literatur-Nobelpreisträger kommen aus allen Kontinenten,
    - den wissenschaftlichen Bereich: Wissenschaft ist heute weltweit integriert; an 
    den Fragen, die als wissenschaftlich interessant gelten, wird in allen Kontinenten 
    gearbeitet, häufig sogar arbeitsteilig und mit einiger Koordination.
    - den normativ/philosophischen Bereich: die Begründung, Ausgestaltung und 
    Realisierung der Menschenrechte ist eine weltweite Aktivität, es gibt eine 
    Bewegung zugunsten der Formulierung eines Weltethos.
    - den politischen Bereich: Unterorganisationen der UN beschäftigen sich mit mehr 
    und mehr Fragen; Weltkonferenzen zu Umweltschutz, Bevölkerungsentwicklung, 
    Rolle der Frauen, Gesundheit gehören mittlerweile zum Welt-Alltag.
    
    Ursachenfaktoren: Woher kommt diese Dynamik der G. ?
    Sie beruht auf einer größeren Zahl von Faktoren, die z.T., wie oben schon einmal 
    angedeutet, entweder die menschliche Geschichte insgesamt charakterisieren oder 
    sich im Laufe der letzten Jahrhunderte speziell in Westeuropa und Nordamerika 
    herausgebildet haben und mit den Stichworten Industrialisierung und 
    Demokratisierung bezeichnet werden.
    Etwas mehr disaggregiert sind dabei u.a. folgende Faktoren wichtig:
    - technische Entwicklungen, die die Produktion von Gütern (in geringerem Maße 
    auch von Dienstleistungen) in immer größeren Einheiten zu immer höheren 
    Gesamtkosten, aber zu immer geringeren Stückkosten ermöglichen (Economies of 
    Scale),
    - darauf basierenden wirtschaftlichen Entwicklungen hin zu immer größeren 
    Unternehmen, die kontinent- oder weltweit operieren, auf nationaler Ebene nicht 
    mehr integiert sind und dort auch nicht umfassend kontrolliert werden können,
    - technische Entwicklungen, die den Austausch von Menschen, Gütern, Geld, 
    Nachrichten und Ideen ermöglichen, fördern und erleichtern (insbesondere 
    Flugverkehr, Fernsehen, Internet),
    - Bevölkerungswachstum mit der Notwendigkeit, immer mehr Menschen zu 
    versorgen, da die Selbstversorgung wegen der ungleichen Eigentums- und 
    Besitzverhältnisse und der Anbaumöglichkeiten immer weniger möglich und auch 
    gewünscht ist (Bevölkerungszuwachs ist in Europa seit kurzem nicht mehr wirksam, 
    wohl aber in anderen Weltregionen),
    - zunehmende internationale Wanderungen, verursacht einerseits durch die Suche 
    von Menschen nach Bedingungen des bloßen Überlebens, nach Sicherheit vor 
    Gewalt und Verfolgung, nach Schaffung oder Vergrößerung von Wohlstand, nach 
    Demokratie, nach Bildung, andererseits durch die ökonomischen Vorteile für die 
    Kapitalbesitzer und Manager aus dem billigen Angebot an Arbeitskraft,
    
    Und es gibt den folgenden, häufig in seiner Tragweite unterschätzten Unterschied 
    zum Feudalzeitalter in vorindustrieller Zeit:
    Neue Grundlagen für Schaffung von Wohlstand: In Feudalgesellschaften war der 
    Boden die Hauptquelle von Wohlstand. Boden kann von Menschen grundsätzlich 
    nur schwer vermehrt werden. Wer mehr davon haben wollte, mußte ihn jemandem 
    wegnehmen. Für diese Struktur der Beziehungen ist der Begriff Null-Summen-Spiel 
    geprägt worden. Der Gewinn des einen ist der Verlust des anderen; die Summe ist 
    Null. Krieg war in landwirtschaftlichen Gesellschaften das naheliegende Mittel, 
    Boden als Grundlage von Wohlstand zu erwerben, auf Kosten anderer Menschen.
    In industriellen Gesellschaften gibt es außer Boden mehrere Grundlagen von 
    Wohlstand: 
    Produktion und Verkauf von Gütern, 
    Erfindungen, 
    neue Organisationsformen, 
    neue Märkte. 
    Boden ist nur noch eine Grundlage unter vielen. 
    Abgesehen von gewissen Kriegsgewinnlern, z.B. Waffenproduzenten, ist Krieg 
    schädlich für die industrielle Form der Wohlstandsvermehrung. In der BRD nach 
    dem 2. Weltkrieg kamen viele Arbeitnehmer zu Wohlstand, weil sie am wachsenden 
    industriellen Wohlstand teilhatten. Aus dem Null-Summen-Spiel der 
    Feudalgesellschaft war ein „Win-Win“-Spiel einer funktionierenden 
    Industriegesellschaft geworden. Kapitalbesitzer und Arbeitnehmer konnten 
    gemeinsam ihren Wohlstand steigern. Nach den Regeln dieses Win-Win-Spiels ist 
    Krieg mit Waffen und Dauerkonflikt im sozialen Bereich schädlich für die 
    gemeinsame Wohlstandsschaffung. Auch der soziale Friede ist zu einer Art 
    Produktionsfaktor geworden.
    Dazu gab es zur Zeit des Kalten Krieges es eine Art Zwang zum Frieden, der von 
    Atomwaffensystemen ausging, die das Führen von Kriegen und damit die 
    kriegerische Regelung von Konflikten (Clausewitz: “Krieg als Fortsetzung der Politik 
    mit anderen Mitteln”) immer unsinniger machten. 
    Auf diese Fakten von Bevölkerungsentwicklung und Technik bauen die Menschen, 
    die Akteure, und insbesondere die gesellschaftlichen Entscheidungsträger ihre 
    Weltanschauungen und Überzeugungen auf. 
    Das führt zu:
    - zunehmender Verbreitung eines größerräumigen Weltbildes durch die 
    Komplementarität von Schulbildung, Informationen aus den Medien und eigenen 
    Eindrücken auf Reisen. Die Kirchturmmentalität und -politik ist auf dem Rückzug.
    - der Grundüberzeugung bei vielen politischen Entscheidungsträgern, daß 
    internationale Kooperation dem Vorteil des eigenen Landes dient. Diese 
    Überzeugung findet sich sowohl in den wirtschaftlich starken Ländern, wo 
    Exportmärkte für High-Tech-Produkte gesucht werden, als auch in armen 
    Ländern, wo Investitoren und Märkte für arbeitsintensivere Produkte und 
    Teilhabe an internationalen Hilfsprogrammen gesucht werden.
    
    Die Ideologisierung dieser Grundüberzeugung ist der Ultraliberalismus, die 
    ausschließliche Forderung von möglichst schneller und weitgehender 
    Liberalisierung, sowohl im eigenen Land als auch international: Sie ist am 
    ausgeprägtesten in den USA vertreten und war und ist insbesondere Ziel 
    verschiedener Administrationen der USA, die sie insbesondere im früheren GATT 
    und der jetzigen WTO durchzusetzen versuchen, mit erheblichem Erfolg. In Europa 
    ist sie mit dem Namen Margret Thatcher und der Konservativen Partei von 
    Großbritannien verbunden, aber auch mit Positionen des deutschen 
    Bundeswirtschaftsministeriums unter der Regierung Kohl. Ziele sind Freihandel, 
    Freizügigkeit des Kapitals, Abbau des Staates, Abbau von sozialer Sicherheit, 
    Regelung möglichst vieler wichtiger Fragen über den Markt (Deregulierung). 
    Die Befürworter dieser Ideologie sind besonders die großen Konzerne, die als sog. 
    „global players“ damit glänzend zurechtkommen, und die an ihnen orientierten 
    Wissenschaftler und Politiker, auch manche Gewerkschaftler.
    Diese Ideologisierung von Aspekten der G. ist m.E. sorgfältig von dem 
    weltgesellschaftlichen Gesamtphänomen G. zu unterscheiden; ich versuche dieser 
    Unterscheidung Rechnung zu tragen durch eine Schilderung der mittelfristigen 
    Folgen von G. seit dem 2. Weltkrieg einerseits und den Übersteigerungen einer 
    extremen Liberalisierung unter den Stichworten Angebotsökonomik und Staatsabbau 
    andererseits.
    
    
  • Stichworte zu den Folgen von Globalisierung 
    seit dem 2. Weltkrieg:
    Umwelt: Wenn man die Geschichte des Umweltschutzes in Deutschland betrachtet, 
    so kann man den Schluß ziehen, daß durch die Erfahrungen in USA und Japan und 
    die Umwelt-Konferenz der UN von 1972 der Umweltschutz positiv beeinflußt wurde.
    Andererseits gerieten immer weitere Gebiete der Welt in den Sog von aggressiver 
    Ressourcennutzung und Umweltzerstörung, insbesondere in den wenig 
    organisierten Ländern des Südens. 
    In Folge davon wurde erkannt, daß Umweltschutz weltweit und in gewisser 
    Abstimmung der Staaten untereinander realisiert werden muß. Die programmatische 
    Konsequenz sind insbesondere das Montrealer Protokoll von 1987 sowie die 
    AGENDA 21 und die Klima-Konvention, die beide von 170 Staatschefs 1992 in Rio 
    de Janeiro verabschiedet wurden. Die Realisierung erfolgt zwar schleppend, aber 
    Globalisierung ist nicht der Haupthinderungsgrund, sondern die Egoismen der USA 
    und der Erdölförderländer.
    Entwicklung: Wenn wir unter Entwicklung den Abbau von Armut in wenig 
    industrialisierten Ländern verstehen, dann ist das Ergebnis ein Teil-Teils: Länder 
    wie Taiwan, Singapur, HongKong haben zweifellos von der G. profitiert; Länder wie 
    Peru, Bolivien, Kolumbien als vorwiegend Rohstofflieferanten haben bisher wenig 
    bis gar nicht profitiert. Von 1990 bis 1997 nahm aber die Zahl der Länder mit 
    Gewinnen aus der Globalisierung zu. Beispiele dafür sind Polen und Tschechien. 
    Erst durch die Wirtschaftskrise in Asien, die verursacht wurde durch einen Rückzug 
    von Investoren aus Ländern wie Thailand und Indonesien, änderte sich das 
    teilweise.
    Wenn man die Folgen für Deutschland betrachtet, so überwogen bis in die 80er 
    Jahre die Vorteile: durch die günstige Konkurrenzsituation der deutschen Firmen 
    weltweit waren die deutschen Unternehmer bereit, Spitzenlöhne an Arbeitnehmer in 
    Deutschland zu zahlen. Armut gab es kaum. 
    Spätestens seit dem Anfang der 90er Jahre überwiegen in Deutschland die 
    Nachteile: mit dem Verweis auf den globalen Wettbewerb und der Drohung mit 
    Produktionsverlagerungen in Billiglohnländer konnten Manager und Kapitaleigner 
    die Arbeitnehmer unter Druck setzen und die zur Lohnzurückhaltung bewegen, die 
    noch nicht entlassen waren. Armut, Arbeitslosigkeit und Unsicherheit für immer mehr 
    Bürger nahmen zu, während gleichzeitig Gewinne und Börsenkurse stiegen. Soziale 
    Indikatoren signalisieren eine Abnahme von Lebensqualität. Hieraus speisen die G.-
    Skeptiker ihre Argumentation.
    Wenn man soziale Gruppen unterscheidet, die profitieren bzw. verlieren, so sind in 
    Deutschland diejenigen Arbeitnehmer eine eindeutige Verlierergruppe, die an wenig 
    qualifizierten Arbeitsplätzen in Branchen mit hoher Verlagerungsmöglichkeit bzw. 
    Importsubstitution arbeiten. Das sind insbesondere Chemie, Stahl und 
    Kohlebergbau.
    
  • Globalisierung und Frieden:
    Nach der unter dem Stichwort Einflußfaktoren gemachten Aussage zum Stellenwert 
    von Kriegen müßte die Zahl der Kriege unter dem Einfluß der Industrialisierung 
    abgenommen haben. Dem stehen natürlich die Erfahrungen mit der ersten Hälfte 
    des 20. Jahrh. gegenüber, mit 1. und 2. Weltkrieg. Sie wurden mit industriellen 
    Mitteln geführt und verursachten mehr Tote als alle Kriege vorher. Ich vermute, man 
    könnte zeigen, daß die Hauptakteure noch die Kriegsvorstellung des 
    Feudalzeitalters im Sinn hatten. Aber das kann hier nicht geklärt werden.
    Fest steht, daß seit 1945 zwischen demokratischen Industriestaaten Kriege nicht 
    mehr vorkamen. Demgegenüber gab es die Stellvertreterkriege im Zuge des Kalten 
    Krieges. Mit Ende des Kalten Krieges gilt auch als Aussicht für die Zukunft: es ist 
    schwer vorzustellen, daß zwischen OECD-Staaten Kriege geführt würden.
    Da Globalisierung die Ausweitung des Industriesystems bedeutet, sollte prinzipiell 
    Krieg immer weniger ein Mittel der Politik sein. Kriege sind damit nicht 
    ausgestorben. Aber ihre Bedeutung nimmt ab. Das sollte auch gelten für Kriege wie 
    den der NATO gegen Serbien wegen Kosovo 1999 zur Sicherung einer 
    Bevölkerungsgruppen. Die Auswertung zeigt, daß er weit mehr negative als positive 
    Effekte hatte, insbesondere auch auf die Position demokratischer Kräfte in Serbien, 
    und vor einer Wiederholung an anderer Stelle nachdrücklich gewarnt werden muß.
    Was speziell die Atomwaffen angeht, die, wie ich oben sagte, einen Zwang zum 
    Frieden zur Zeit des Kalten Krieges ausgeübt haben, so hoffe ich, daß in einer 
    weiter ausgebauten Weltgesellschaft Atombomben abgeschafft werden, weil 
    langfristig das Versagen der Kontrolle nicht auszuschließen ist. Die Schwierigkeiten 
    bei der Realisierung sind aber nicht zu übersehen.
    Es stellt sich dann noch die Frage: Ist Friede nur die Abwesenheit von Krieg oder 
    geht Friede darüber hinaus? In einer ersten Nährung wird Krieg hier verstanden als 
    bewaffneter Konflikt zwischen Staaten. Bürgerkriege wie in Nordirland oder im 
    Baskenland werden nicht explizit behandelt. Sozialer Friede wird unter dem 
    Stichwort Entwicklung mit einbezogen.
    
  • Gegenwärtige Probleme der extrem liberalisierten 
    Weltwirtschaft:
    Mit der Wahl des konservativen US-Präsidenten Reagan bekamen ideologisch 
    fixierte liberale Ökonomen ein Maß an Einfluß, das zu dramatischen Übertreibungen 
    geführt hat. Als Industrieländer waren insbesondere die USA und unter Thatcher GB 
    betroffen. Über den Weltwährungsfond und die Weltbank wurde aber der 
    ultraliberale Einfluß auf viele wenig industrialisierte Länder ausgeweitet. Nun konnte 
    sich der schon vorher begonnene Abbau fester Wechselkurse mit zunehmender 
    Liberalisierung der internationalen Kapitalmärkte voll in Richtung einer 
    internationalen Spekulationswirtschaft auswirken. Der deutsche Aktienkurs stieg in 
    wenigen Jahren um mehr als das Dreifache.
    In fast allen Industrieländern führte das ultraliberale Konzept zwar zu mehr 
    Wirtschaftswachstum, aber auch zu einer scharfen sozialen Polarisierung und 
    innenpolitischen Destabilisierung. Die Unfähigkeit der Marktkräfte, auch soziale 
    Gerechtigkeit als Wert anzuerkennen und als ein Ziel der Wirtschaftspolitik zu 
    verfolgen, führte zu einem Rückgang der sog. Lohnquote, zu einer Zunahme von 
    Armut und Kriminalität. Der laut Statistik immer noch wachsende Wohlstand 
    konzentriert sich bei einem immer kleineren Teil der Bevölkerung.
    In einigen Ländern Asiens (besonders Thailand, Malaysia und Indonesien) haben 
    die Entscheidungsträger das ultraliberale Konzept zur Grundlage ihrer Politik 
    gemacht. Es wurde, vor allem durch Kapitalimport, ein auf Export basiertes 
    Wirtschaftswachstum angeregt, das aber 1997-98 in der sog. Asienkrise einen 
    herben Rückschlag erlitten hat. Die Spekulation hatte dramatische Ausmaße 
    angenommen, thailändische Banken gerieten in Schwierigkeiten, ausländische 
    Investoren wurden mißtrauisch und begannen, ihr Kapital insbesondere aus 
    Thailand, Indonesien und einigen anderen Ländern zurückzuziehen. Wie so oft an 
    der Börse schlug die gesamte Stimmung um, der Kapitalrückzug verallgemeinerte 
    sich, neue Investitionen wurden aufgeschoben, die Währungen mehrerer Länder 
    mußten dramatisch abgewertet werden, Firmen machten Bankrott, das Sozialprodukt 
    in einigen Ländern sank dramatisch. Malaysia hat inzwischen den freien 
    Kapitalverkehr aufgegeben. Im Gefolge von wirtschaftlicher Not und politischer 
    Unruhe in Indonesien wächst der Einfluß islamischer Fundamentalisten.
    
    Im Rußland nach der Wende 1990 war der Vorschlag der Ökonomen der Harvard-
    Universität die Errichtung einer Marktwirtschaft innerhalb von 500 Tagen. In einem 
    Land, in dem bis dahin das Wort Unternehmer soviel wie Blutsauger bedeutete und 
    es also keine Unternehmer gab, mußte das scheitern; die Folge war die jetzt 
    praktizierte Mafia-Wirtschaft, in der der Mafia unbequeme Personen riskieren 
    erschossen zu werden.
    In der Europäischen Union hat die Unzufriedenheit mit Arbeitslosigkeit und 
    Sozialabbau zu Wahlerfolgen der Gegner ultraliberaler Konzepte geführt: 
    An 14 der 15 Regierungen der Mitgliedstaaten sind sozialdemokratische Parteien 
    beteiligt. Am spektakulärsten in Frankreich und Österreich haben aber auch rechte 
    Parteien einen beunruhigenden Einfluß gewonnen, mit ausländerfeindlichen 
    Parolen.
    
  • Strategien für die Entwicklung der Weltgesellschaft
    1. Alternative: Abschottung
    Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit und der zunehmenden Armut gibt es das 
    Konzept der möglichst weitgehenden Abschottung Europas von der G.. Abschotten 
    wollen sich die Vertreter dieser Strategie insbesondere von billigen Arbeitskräften 
    und von billigen Importen aus Ländern außerhalb der EU. Kritiker des Konzepts, 
    innerhalb und außerhalb der EU, wie jüngst der polnische Außenminister, sprechen 
    von dem Konzept Festung Europa.: ein relativ begrenztes Gebiet höheren 
    Wohlstandes will die anderen vom Wohlstand ausschließen. Gegenwärtig sind die 
    Ostgrenzen der Festung Europa teilweise identisch mit den Ostgrenzen von 
    Deutschland, Österreich, Italien. Die Südgrenze Richtung Nordafrika ist das 
    Mittelmeer. Schon jetzt muß erheblicher Polizei- und Grenzschutzaufwand betrieben 
    werden, um illegale Einwanderer aufzuhalten. Dieser Aufwand ist dazu noch zum 
    beträchtlichen Teil vergeblich. Sie merken, daß ich mich hier der Bürokratensprache 
    bedient habe; konkret heißt das für Afrikaner oder GUS-Bürger, die ihre 
    Lebenssituation verbessern wollen: 
    Suchhunde, Menschenschmuggel, Ertrinken in der Straße von Gibraltar, Leben in 
    der Illegalität, Ausgeliefertsein an kriminelle Akteure, Verhaftung, Abschiebung.
    Die Festung Europa wird auch verteidigt durch Beschränkung von Importen aus 
    Drittländern, wobei allerdings durch die GATT-Runden und die Schaffung der WTO 
    die Möglichkeiten dazu immer mehr eingeschränkt werden. Das Scheitern der WTO-
    Konferenz von Seattle bedeutet nur einen kurzen Aufschub, denn die Interessen des 
    gesamten Südens gehen in Richtung des Abbau des europäischen Protektionismus, 
    der sich äußert in Zollgrenzen nach außen und subventionierten Agrarexporten in 
    Ländern mit niedrigem Pro-Kopf-Einkommen.
    Die Befürworter der Abschottung finden sich insbesondere bei vielen 
    Gewerkschaftlern, bei Teilen des Mittelstandes und auch bei Vertretern des 
    Umweltschutzes, aus verständlichen Gründen. Von den europäischen Ländern ist 
    besonders Frankreich stark, wenn auch nicht ausschließlich geprägt von dieser 
    Strategie.
    Die Schlußfolgerung aus diesem Konzept ist die Erwartung, wenn man eine 
    Abschottung erreiche, könne man Wirtschaftspolitik so weiter betreiben wie bisher. 
    Wirtschaftswachstum durch Keynesianische Geld- und Haushaltspolitik soll neue 
    Verteilungsspielräume eröffnen, die per Tarifverhandlungen über 
    produktivitätsorientierte Lohnabschlüsse auch den Arbeitnehmern zugute kommen 
    sollen.
    
    Beurteilung
    Diese Erwartung ist mittelfristig zum Scheitern verurteilt: 
    Die Unternehmer werden höhere Löhne zum Anlaß zur Verlagerung weiterer 
    Produktionen in Regionen mit niedrigeren Löhnen nehmen, mit weiterer Zuname der 
    Arbeitslosigkeit.
    Im Europäischen Währungssystem sind die für eine Keynsianische Politik nötigen 
    Haushaltsdefizite mit Schuldenaufnahme nicht statthaft und werden mit hohen 
    Strafzahlungen geahndet.
    Das Konzept der Abschottung ist aber auch deshalb unhaltbar, weil es die Vorteile 
    der Globalisierung gefährdet. Es beschwört wieder die Perspektive von Kriegen 
    herauf, wenn es viele Ausgeschlossene gibt, die nichts zu verlieren haben als ihre 
    Misere.
    Das Konzept des Abschottens ist auch unter dem Aspekt der Bewußtseinsbildung in 
    der Bevölkerung der EU falsch. Wir müssen uns darüber klar werden, daß eine 
    Globalisierung von Produktion, Massenmedien, Verkehrswegen, Wissenschaft nicht 
    kombinierbar ist mit dauerhaften, langfristigen krassen Unterschieden von Arm und 
    Reich, sowohl in den Industriegesellschaften selbst als auch zwischen den 
    Staatengruppen. 
    Diese Notwendigkeit des Teilens, des Ausgleichs ist bei vielen 
    Bevölkerungsgruppen unbeliebt:
    - Unternehmer und Manager sind tendentiell an niedrigen Löhnen interessiert;
    - Arbeitnehmer in Industrieländern lehnen tendentiell Verlagerung von 
    Arbeitsplätzen in Niedriglohnländer ab, obwohl das ihren dortigen Kollegen nützt.
    Die Ablehnung von Abschottung bedeutet nicht die schnelle Aufgabe von Grenzen. 
    Natürlich müssen die Verhandlungen mit den EU-Beitrittskandidaten auch unter 
    Einbezug von Übergangsfristen für die Freizügigkeit von Arbeitskräften geführt 
    werden. Natürlich kann die illegale Einwanderung über die Ost- und die Südgrenze 
    der EU nicht einfach toleriert werden. Aber diese Konflikte müssen als 
    Übergangsphänomene gesehen werden, die so schnell wie möglich abzubauen sind.
    Es muß Konsens entstehen darüber, daß der kontinuierliche Ausbau der 
    Weltgesellschaft, die organische Weiterentwicklung der Globalisierung, die Mittel- 
    und Langfristperspektive darstellt. Diesem Ziel ist der folgende Abschnitt gewidmet.
    
    
    2. Alternative: Zielkonzept Weltgesellschaft auf der Basis von AGENDA 21 
    und einer sozialen ökologischen Marktwirtschaft - Zukunftsperspektive Weltgesellschaft
    Ein beträchtlicher Teil der gegenwärtigen Angst vor Globalisierung ist Folge 
    einseitiger Sichtweisen. Viele Bürger sind konzentriert auf kurzfristige Gefahren für 
    ihren Wohlstand. Sie verlieren dabei die nötige Langfristperspektive aus den Augen. 
    Natürlich ist der Verlust von Verhandlungsmacht der Gewerkschaften ein großes 
    Problem. Natürlich ist es für eine Region eine Gefahr, wenn Werke geschlossen 
    werden. Aber es dürfen keine mittelfristig untauglichen Mitteln dagegen verwendet 
    werden. Was kurzfristig vielen weniger gefährlich erscheint, nämlich Abschottung 
    und Rückkehr zu alten Rezepten, kann langfristig viel gravierendere Folgen haben 
    als eine Neuorientierung.
    Es muß von den Chancen der neuen Weltsituation gesprochen werden. Es muß 
    eine verständliche Perspektive für eine attraktive Weltgesellschaft entwickelt 
    werden. Insbesondere müssen verschiedene Aspekte deutlich gemacht werden: 
     
    - Globalisierung eröffnet die Chance einer Abschaffung von Kriegen.
    - Globalisierung eröffnet die Chance für Wohlstand und Umweltschutz weltweit, wie 
    es in der AGENDA 21 vorgezeichnet ist;
     
    - die Realisierung der AGENDA 21 ist die Voraussetzung für eine Gestaltung der 
    weltweiten Ökosysteme und sozialen Systeme (Zurückdrängung der Wüsten, , 
    Erhaltung und Wiederherstellung von Artenvielfalt; Auflösung der Slums der 
    Großstädte; Realisierung von vielfältigen, selbstbestimmten 
    Lebensmöglichkeiten);
     
    - Globalisierung muß nicht Abschaffung kultureller Unterschiede bedeuten, 
    sondern sollte Entfaltung verschiedener Lebensmöglichkeiten auf der Basis einer 
    grundsätzlichen Gleichwertigkeit ermöglichen;
     
    - In einem solchen Weltkontext könnte das Leben der Menschen ähnlich viel 
    „Glück“ enthalten wie heute in Industrieländern, für viele auch mehr. Dabei sind 
    Voraussetzungen für Glück ein Mindestmaß an befriedigenden sozialen 
    Beziehungen, an Sicherheit und an materiellem Wohlstand, aber Glück ist nicht 
    gleichbedeutend mit immer weiter wachsendem Konsumniveau.
     
    Die Voraussetzung für die Realisierung dieser Chancen von Globalisierung ist 
    insbesondere das intelligente, langfristige Engagement vieler Menschen für diese 
    Ziele. Durch solche langfristigen politischen und sozialen Anstrengungen wurden in 
    der Vergangenheit Demokratie, Abschaffung der Sklaverei, Befreiung der Kolonien, 
    Verbesserung der Arbeitsbedingungen und ein beachtliches Maß an Umweltschutz 
    in vielen Ländern erreicht.
    Einsicht in diese Zukunftsperspektiven einer Weltgesellschaft würde zu einer 
    Akzeptanz auch gewisser Einschränkungen, Unsicherheiten und Umorientierungen 
    bei vielen Bürgern in Deutschland und der EU führen. Dann würden sie nicht Abhilfe 
    gegen die Folgen von Globalisierung durch Zementierung vergangener Formen von 
    sozialer Sicherheit suchen. Die Niederlande und Dänemark sind Beispiele für 
    erfolgreiche Anpassung an die gegenwärtigen wirtschaftlichen Bedingungen.
    Die Umsetzung könnte insbesondere aus einer Reihe im folgenden skizzierter 
    Maßnahmen bestehen:
    
    Innenpolitische Maßnahmen
    Zwei Maßnahmen werden im Zuge der Politik der seit Okt. 1998 amtierenden 
    Regierung in Deutschland intensiv diskutiert:
    - Senkung der Kosten des Faktors Arbeit
    - Ökologische Steuerreform.
    Darauf brauche ich jetzt nicht detallierter einzugehen
    Vielmehr möchte ich einige zu Unrecht weniger diskutierte Maßnahmen hier 
    einbringen, die im Zusammenhang mit den vorgenannten zum sozialen Ausgleich 
    und sozialen Frieden in Deutschland im Kontext einer mehr und mehr globalisierten 
    Wirtschaft beitragen könnten.
    
    Arbeitsmarkt und Einkommen in Deutschland sind gekennzeichnet durch ein 
    Paradox: Einerseits werden in großem Stile Überstunden erbracht, andererseits gibt 
    es große Arbeitslosigkeit. Und das alles mit dem Ergebnis einer wachsenden 
    Wirtschaft, also zunehmendem Wohlstand, der erwirtschaftet wird. Wenn sowohl 
    Arbeit als auch BSP gleichmäßiger auf alle Personen verteilt würde, wäre der 
    soziale Frieden nicht so prekär.
    Da im Zuge der Globalisierung steigende Löhne und Gehälter und dadurch 
    finanzierte Soziale Sicherheit auf zunehmende Schwierigkeit stoßen, müssen neue 
    Formen des sozialen Ausgleichs gefunden werden.
    Einige Maßnahmen in diese Richtung sind seit langem bekannt und seit langem mit 
    untergeordneter Priorität auch Teil der politischen Diskussion:
    - Gewinnbeteiligung,
     
    - Vermögensumverteilung (nach dem Krieg bekannt unter den Bezeichnungen 
    „Lastenausgleich“ und „Vermögensbildung in Arbeitnehmerhand“), 
     
    - Umverteilung von Arbeit: Dabei wird das vorhandene Arbeitsvolumen (Zahl der 
    pro Jahr geleisteten Arbeitsstunden) möglichst weitgehend auf die Zahl der 
    Erwerbspersonen verteilt (Beispiele: Teilzeitarbeit - siehe Modell der 
    Niederlande, Arbeitszeit-Modell der Volkswagen AG). 
    - Abschaffung der Jugendarbeitslosigkeit, wenn nötig mit Steuergeldern.
     
    - Erbpacht von Boden und Immobilien
    Diese nationalen Maßnahmen sind geeignet, den sozialen Frieden auch im Kontext 
    einer sich globalisierenden Wirtschaft zu erhalten. Sie bedeuten eine Abkehr vom 
    Modell der 60er und 70er Jahre, den Staat und die soziale Sicherheit weitgehend 
    über Abgaben auf Löhne und Gehälter zu finanzieren.
    Diese nationalen Maßnahmen sind sinnvoll im Kontext einer internationalen Politik, 
    die ebenfalls auf die Realisierung einer weltweiten sozialen, ökologischen 
    Marktwirtschaft gerichtet ist.
    
    Internationale und weltweite Maßnahmen
    1. Akteure
     wichtig bezüglich Art der Beziehungen zwischen ihnen und den daraus 
    resultierenden Entscheidungsprozessen und deren Ergebnissen
    Regierungen der Staaten
    Multinationale Unternehmungen
    Nicht-Regierungs-Organisationen
    Internationale politische und wirtschaftliche Organisationen:
    Vereinte Nationen mit ihren Unterorganisationen
    Weltbank
    Weltwährungsfond
    WTO
    ILO
    OECD
    
    2. Maßnahmen
    Information und Bildung, inkl. weltweitem Austausch in allen Zweigen des 
    Bildungswesens;  Einplanen von Zeit für die nötigen Lernprozesse und die 
    Ausbreitung demokratischer Strukturen: die Europäer haben 50 Jahre gebraucht, um 
    den bis jetzt erreichten Grad der Integration zu verwirklichen
    Effizientere Organisation und Nutzung der bestehenden internat. Organisationen
    Erhebung internationaler Steuern, z.B. Tobin-Steuer
    Ausbau von vorhandenen und Schaffung von neuen regionalen Einheiten
    Internationale Absprachen
    Beachtung des Subsidiaritätsprinzips
    Sofort:  Schuldenerlaß für die ärmsten Länder, wozu ein erster Schritt 1999 getan 
    wurde.
    
    Hoffnungszeichen:
    Internationale Absprachen, wie das Montrealer Protokoll, zuerst 1987, zur 
    Beschränkung der Herstellung und des Verbrauchs von Chemikalien, die die 
    stratosphärische Ozonschicht schädigen, oder das Biosafety-Protokoll von 
    Januar 
    2000 über den Handel mit gentechnisch veränderten Organismen. 
    
    Rio-Folgeaktivitäten
    Wachsende Bedeutung der nationalen Gesellschaften für die Wahrung der 
    Menschenrechte in un- oder scheindemokratisch regierten Ländern
    Internationaler Strafgerichtshof
    UN-Kriegsverbrecherprozesse
    Lernprozesse bei Weltbank und WTO in Richtung Förderung der 
    Subsistenzwirtschaft und Berücksichtigung von Umweltschutz
    Internationale Kampagnen gegen die genitale Verstümmelung
    
  • Wichtige Grundregeln als Zusammenfassung:
    GLOBALISIERUNG IST EIN IN VIELEN BEREICHEN STATTFINDENDER 
    PROZESS, DESSEN CHANCEN GENUTZT WERDEN MÜSSEN, UM AUF EINEM 
    IMMER DICHTER BEVÖLKERTEN GLOBUS EINE MENSCHENWÜRDIGE 
    GESELLSCHAFT ZU ERMÖGLICHEN:
    DURCH EINE KOORDINATION DER WELTWIRTSCHAFT UND 
    WELTGESELLSCHAFT MUSS DER RAHMEN FÜR DAS FRIEDLICHE UND 
    ÖKOLOGISCH VERTRÄGLICHE MITEINANDER UNTERSCHIEDLICHER 
    SOZIOÖKONOMISCHER TEILSYSTEME GESCHAFFEN WERDEN. 
    DIE WELTGESELLSCHAFT MUSS AUF ALLEN EBENEN AKTIV GESTALTET 
    WERDEN UND KANN NICHT EINFACH DEN MARKTKRÄFTEN ÜBERLASSEN 
    WERDEN.
    DEZENTRALITÄT ALS ZIEL IST ZU BERÜCKSICHTIGEN. ES DARF KEINE 
    STRAFF ZENTRALISTISCH ORGANISIERTE WELTGESELLSCHAFT GEBEN, DA 
    SICH REGIERUNGSFEHLER IMMER MEHR GLOBAL AUSWIRKEN WÜRDEN. 
    DAS SUBSIDIARITÄTSPRINZIP IST ÜBERALL ZU BEACHTEN. DIE 
    INHALTLICHE FÜLLUNG DIESER FORDERUNGEN WIRD SICHERLEICH NOCH 
    VIELE KONTROVERSEN HERVORRUFEN, WIE SCHON JETZT IN DER 
    EUROPÄISCHEN UNION.

 

  • Ein Nachwort:
    Geschichtlicher Rückblick 
    Es mag Ihnen utopisch erscheinen, was ich Ihnen hier als Programm für die 
    Realisierung einer demokratischen Weltgesellschaft vorgetragen habe, aber wenn 
    Sie die Realisierung der Menschenrechte seit dem 16. Jhdt. betrachten, sehen Sie,  
    was langfristige politische, wissenschaftliche und alltagspraktische Arbeit vermag.
    Lokale Aktivitäten
    In Osnabrück gibt es eine von der Stadt unterstützte Gruppe, die sich mit einer 
    lokalen Agenda 21 befaßt. Sie hat die Tel.-Nr. 323-3126. Die Stadt unterstützt auch 
    das 3. Welt-Zentrum in der Bierstr. Außerdem ist die NRO „Terre des Hommes“ in 
    OS ansässig.
    
  • Literatur
    Beck, U., Was ist Globalisierung? : Irrtuemer des Globalismus - Antworten auf 
    Globalisierung, 6. Aufl., Frankfurt am Main, Suhrkamp, 1999
    Beck, U., (Hg.), Politik der Globalisierung, Frankfurt am Main, Suhrkamp, 1998
    Boettcher , S., Kulturelle Unterschiede - Grenzen der Globalisierung : ein Vergleich 
    zwischen dem Westen und Ostasien, Schriftenreihe des Ifo-Instituts fuer 
    Wirtschaftsforschung, Nr. 147, Berlin, Duncker & Humblot, 1999
    Fricke, W., Oetzel, V., (Hg.), Zukunft der Industriegesellschaft, Beiträge zum vierten 
    internationalen Ingenieurkongress der Friedrich-Ebert-Stiftung und dem VDI, Bonn, 
    Friedrich-Ebert-Stiftung, 1996
    OECD, Trade, investment and development : reaping the full
    benefits of open markets, Paris, OECD, 1999
    OECD, Nachhaltige Entwicklung : Politikkonzepte der OECD fuer das 21. 
    Jahrhundert, OECD-Sonderarbeitsgruppe fuer Nachhaltige Entwicklung, Paris : 
    OECD, 1998
    Simon, R., Westermann, K., (Hg.), Standortdebatte und Globalisierung der 
    Wirtschaft, Hans-BöcklerStiftung, Marburg, Schüren, 1997
    Steger, U., (Hg.), Globalisierung der Wirtschaft : Konsequenzen fuer Arbeit, Technik 
    und Umwelt, Berlin u.a., Springer, 1996
    
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Internes | Infoservice letzte Änderung: Oktober 2003
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