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Eberhard Umbach Globalisierung
Aspekte; Einflußfaktoren;
Auswirkungen auf Umwelt, Entwicklung, Frieden;
Strategien
Am 10.11.99 im Rahmen des Studium generale Umwelt-Entwicklung-Frieden
mündlich vorgetragene Fassung, einschließlich wegen Zeitmangel ausgelassener
Passagen, mit Ergänzungen aus Dez. 1999 und Januar 2000
Globalisierung als Schreckgespenst, Globalisierungsfalle
Die beiden Spiegel-Autoren H.-P. Martin und H. Schumann machen ein Hotel in San
Francisco und dort eine Tagung der Gorbatschow-Stiftung zur Bühne für eine
düstere Prognose: 20 % der arbeitsfähigen Bevölkerung werde im kommenden
Jahrhundert ausreichen, um die Weltwirtschaft in Schwung zu halten (1997, S. 39)
Globalisierung als Job-Killer, Zerstörer des sozialen Netzes sind Bezeichnungen,
die sich daraus ableiten. Entsprechend emotional ist die Diskussion.
Begriffsbestimmung und Problemstellung:
im wörtlichen Sinn:
Zunehmende Vernetzung und Integration der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen
Abläufe über den ganzen Globus hinweg, auf Weltebene.
Beispiele für weltweite wirtschaftliche Vernetzung:
Jeder Supermarkt ist ein Beispiel für Globalisierung: Kiwifrüchte aus NZ, Obst im
Winter aus Chile, Textilien aus Indien, Computerteile aus Taiwan. Wenn die
Einkaufspreise der Importeure für diese Güter fallen, haben die dortigen
Produzenten weniger Einkommen und können sich weniger Autos und Maschinen
aus Deutschland leisten. Gibt der Importeur und der Handel die Differenz an die
Kunden weiter, hat unser Einkommen an Kaufkraft gewonnen. Wegen der möglichen
Nachfragerückgänge aus den Importländer bei Autos und Maschinen geht aber evt.
in der nächsten Periode auch das Einkommen bei uns zurück.
Beispiele für gesellschaftliche Vernetzung:
Weltweit wird die Technologie der Industrieländer eingesetzt. Z.B. werden die Dörfer
in der Elfenbeinküste über Fernsehgeräte im Dorfgemeinschaftshaus mit dem
staatlichen Fernsehprogramm versorgt, das insbesondere amerikanische und
europäische Filme zeigt. Damit gestalten die westafrikanischen Dorfbewohner aber
nicht nur ihre Abende, sondern sie übernehmen auch mittelfristig das
Anspruchsniveau der Industriegesellschaften bezüglich individuelle Entfaltung,
Bildung, Demokratie und Konsum. Mittelfristig werden sie versuchen, für sich
dieselben Standards zu erreichen. Wenn Ihnen das wegen niedrigem
Bildungsniveau, der Korruption ihrer Regierungen, aber auch wegen der
Schuldenkrise nicht gelingt, machen sie möglicherweise den Westen, d.h. uns dafür
verantwortlich. Und sie versuchen, dem heimischen relativen Elend zu entrinnen,
entweder indem sie eine höhere Bildung anstreben oder indem sie nach Europa
auszuwandern versuchen.
Der Export von Filmen in den Süden ist also mit ursächlich für die
Wanderungsbewegungen von Afrika nach Sizilien oder nach Spanien über die
Straße von Gibraltar. Er trägt dazu bei, daß die Grenzpolizei einiger EU-Länder
immer mehr ausgebaut werden muß und bei einigen Mitbürgern das
Bedrohungsgefühl zur Wahl von rechtsradikalen Parteien führt.
Es gibt also nicht einseitige Abhängigkeiten, etwa der genannten Länder von uns als
dem reichen Norden, sondern Interdependenzen, gegenseitige Abhängigkeiten:
im pragmatischen Sinn:
Im Alltagsgebrauch des Begriffes steht Vernetzung und Integration über die
bisherigen nationalen Grenzen hinweg im Vordergrund, ohne Berücksichtigung, ob
tatsächlich der ganze Globus betroffen ist.
Für die deutsche Situation ist damit einerseits die europäische Integration relevant
und andererseits das Verschwinden des Eisernen Vorhangs quer durch Europa.
Damit sind die eben skizzierten Interdependenzen nicht nur gegeben für die Länder
des sog. Südens, sondern auch im Verhältnis zu Ländern wie Portugal oder
Griechenland als EU-Mitgliedstaaten, wie Tschechien, die Slowakische
Republik,Ungarn, Polen als EU-Beitrittskandidaten und wie die Russische
Föderation als Nachbar ohne direkte Aussicht auf Mitgliedschaft. Zu allen diesen
Ländern besteht, von Deutschland aus gesehen, ein erhebliches Wohlstands- und
Technologiegefälle.
Für die EU-Mitgliedstaaten ist der Prozess der Angleichung im Gange. Die
Einführung des Euro ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Ob er gelingt, wird
sich in den nächsten Jahren zeigen. Ich bin zuversichtlich, wenn auch nicht absolut
sicher, daß die EU per saldo mehr positive als negative Wirkungen auf die
Lebensqualität der EU-Bürger haben wird.
Offen ist die Weiterentwicklung der Beziehungen der EU zu allen anderen Staaten.
Viele ungelöste Probleme existieren in der Ausgestaltung dieser Globalisierung mit
den Ländern des ehemaligen Ostblocks, beginnend mit den Beitrittskandidaten,
weiter mit der Russischen Föderation, mit den Schwellenländern Ost- und
Südostasiens und Nordafrikas und mit den Ländern, die in UN-Statistiken als mit
niedrigem Einkommen eingestuft werden. Für die EU relevant sind dabei
insbesondere die Länder in Afrika südlich der Sahara.
Im heutigen Referat möchte ich die pragmatische weitere Begriffsbestimmung
verwenden. Globalisierung ist also heute insbesondere der Abbau von Grenzen aller
Art, nicht nur wirtschaftlicher Grenzen, zu diesen Ländern östlich der Oder bis an
den Pazifischen und den Indischen Ozean und südlich des Mittelmeers; und dem
entsprechend das Anwachsen der Vernetzungen und Interdependenzen.
Dabei kann es heute nicht darum gehen, eine Gesamtdarstellung und Beurteilung
dieses Phänomens zu geben. Ich kann heute nur einige Aspekte skizzieren.
Bereiche und Ursachen der G.:
Globalisierung ist ein für die Entwicklung der Menschheit typisches Phänomen: auch
die Ausbreitung der Menschen über die fünf Kontinente außer der Antarktis kann
man als G. bezeichnen, ebenso die Großreiche z.B. der Römer oder der Mongolen
unter Dschingis Khan. Die heutige Welle von G. ist sehr eng verknüpft mit der
Eroberung der Welt durch die Europäer seit dem Ende des 15. Jhdts.. Das geschah,
wie wir häufig glauben, wegen unserer überlegenen Kultur. Leider beruhte es
tatsächlich vor allem auf der Überlegenheit der Feuerwaffen in den Händen von
besonders skrupellosen Vertretern der europäischen Kultur in Asien und Afrika. Das
alles will ich weder darstellen noch beurteilen, aber man muß sich darüber klar sein,
daß diese Geschichte laufend die Gegenwart und die Zukunft mit beeinflußt,
insbesondere wenn es um G. geht.
Bereiche der Globalisierung:
Ein flüchtiger Leser des Buchs Die Globalisierungsfalle denkt bei G. vor allem an
Wirtschaft, und auch da vorwiegend an billige Importe, die deutsche Produkte
verdrängen, an Betriebsgründungen deutscher Firmen in Polen oder Tschechien
(Kapitaltransfer), mit denen deutsche Arbeitnehmer und deren Vertreter von den
Firmenleitungen in Richtung niedrigerer Löhne erpreßt werden, und an tropische
Steuerparadiese, wo Kapitalbesitzer ihre Gewinne dem deutschen Fiskus entziehen.
Das sind unbestreitbare Tatsachen, aber als solche nur Teilaspekte in einem sehr
viel komplexeren Gesamtbild.
G. bezieht sich auch auf
- den deutschen Export, der in Deutschland Einkommen schafft,
- die Verkehrsverbindungen und dabei auch die beispiellosen Preisstürze im
Luftverkehr, zugunsten der Verbraucher in den Industrieländern,
- den Tourismus, dem die Deutschen immer noch wachsende Anteile ihres
Einkommens widmen;
- den kulturellen und Freizeit-Bereich: Musik, Kino, Fernsehen, Literatur sind heute
Weltphänomene, Literatur-Nobelpreisträger kommen aus allen Kontinenten,
- den wissenschaftlichen Bereich: Wissenschaft ist heute weltweit integriert; an
den Fragen, die als wissenschaftlich interessant gelten, wird in allen Kontinenten
gearbeitet, häufig sogar arbeitsteilig und mit einiger Koordination.
- den normativ/philosophischen Bereich: die Begründung, Ausgestaltung und
Realisierung der Menschenrechte ist eine weltweite Aktivität, es gibt eine
Bewegung zugunsten der Formulierung eines Weltethos.
- den politischen Bereich: Unterorganisationen der UN beschäftigen sich mit mehr
und mehr Fragen; Weltkonferenzen zu Umweltschutz, Bevölkerungsentwicklung,
Rolle der Frauen, Gesundheit gehören mittlerweile zum Welt-Alltag.
Ursachenfaktoren: Woher kommt diese Dynamik der G. ?
Sie beruht auf einer größeren Zahl von Faktoren, die z.T., wie oben schon einmal
angedeutet, entweder die menschliche Geschichte insgesamt charakterisieren oder
sich im Laufe der letzten Jahrhunderte speziell in Westeuropa und Nordamerika
herausgebildet haben und mit den Stichworten Industrialisierung und
Demokratisierung bezeichnet werden.
Etwas mehr disaggregiert sind dabei u.a. folgende Faktoren wichtig:
- technische Entwicklungen, die die Produktion von Gütern (in geringerem Maße
auch von Dienstleistungen) in immer größeren Einheiten zu immer höheren
Gesamtkosten, aber zu immer geringeren Stückkosten ermöglichen (Economies of
Scale),
- darauf basierenden wirtschaftlichen Entwicklungen hin zu immer größeren
Unternehmen, die kontinent- oder weltweit operieren, auf nationaler Ebene nicht
mehr integiert sind und dort auch nicht umfassend kontrolliert werden können,
- technische Entwicklungen, die den Austausch von Menschen, Gütern, Geld,
Nachrichten und Ideen ermöglichen, fördern und erleichtern (insbesondere
Flugverkehr, Fernsehen, Internet),
- Bevölkerungswachstum mit der Notwendigkeit, immer mehr Menschen zu
versorgen, da die Selbstversorgung wegen der ungleichen Eigentums- und
Besitzverhältnisse und der Anbaumöglichkeiten immer weniger möglich und auch
gewünscht ist (Bevölkerungszuwachs ist in Europa seit kurzem nicht mehr wirksam,
wohl aber in anderen Weltregionen),
- zunehmende internationale Wanderungen, verursacht einerseits durch die Suche
von Menschen nach Bedingungen des bloßen Überlebens, nach Sicherheit vor
Gewalt und Verfolgung, nach Schaffung oder Vergrößerung von Wohlstand, nach
Demokratie, nach Bildung, andererseits durch die ökonomischen Vorteile für die
Kapitalbesitzer und Manager aus dem billigen Angebot an Arbeitskraft,
Und es gibt den folgenden, häufig in seiner Tragweite unterschätzten Unterschied
zum Feudalzeitalter in vorindustrieller Zeit:
Neue Grundlagen für Schaffung von Wohlstand: In Feudalgesellschaften war der
Boden die Hauptquelle von Wohlstand. Boden kann von Menschen grundsätzlich
nur schwer vermehrt werden. Wer mehr davon haben wollte, mußte ihn jemandem
wegnehmen. Für diese Struktur der Beziehungen ist der Begriff Null-Summen-Spiel
geprägt worden. Der Gewinn des einen ist der Verlust des anderen; die Summe ist
Null. Krieg war in landwirtschaftlichen Gesellschaften das naheliegende Mittel,
Boden als Grundlage von Wohlstand zu erwerben, auf Kosten anderer Menschen.
In industriellen Gesellschaften gibt es außer Boden mehrere Grundlagen von
Wohlstand:
Produktion und Verkauf von Gütern,
Erfindungen,
neue Organisationsformen,
neue Märkte.
Boden ist nur noch eine Grundlage unter vielen.
Abgesehen von gewissen Kriegsgewinnlern, z.B. Waffenproduzenten, ist Krieg
schädlich für die industrielle Form der Wohlstandsvermehrung. In der BRD nach
dem 2. Weltkrieg kamen viele Arbeitnehmer zu Wohlstand, weil sie am wachsenden
industriellen Wohlstand teilhatten. Aus dem Null-Summen-Spiel der
Feudalgesellschaft war ein Win-Win-Spiel einer funktionierenden
Industriegesellschaft geworden. Kapitalbesitzer und Arbeitnehmer konnten
gemeinsam ihren Wohlstand steigern. Nach den Regeln dieses Win-Win-Spiels ist
Krieg mit Waffen und Dauerkonflikt im sozialen Bereich schädlich für die
gemeinsame Wohlstandsschaffung. Auch der soziale Friede ist zu einer Art
Produktionsfaktor geworden.
Dazu gab es zur Zeit des Kalten Krieges es eine Art Zwang zum Frieden, der von
Atomwaffensystemen ausging, die das Führen von Kriegen und damit die
kriegerische Regelung von Konflikten (Clausewitz: Krieg als Fortsetzung der Politik
mit anderen Mitteln) immer unsinniger machten.
Auf diese Fakten von Bevölkerungsentwicklung und Technik bauen die Menschen,
die Akteure, und insbesondere die gesellschaftlichen Entscheidungsträger ihre
Weltanschauungen und Überzeugungen auf.
Das führt zu:
- zunehmender Verbreitung eines größerräumigen Weltbildes durch die
Komplementarität von Schulbildung, Informationen aus den Medien und eigenen
Eindrücken auf Reisen. Die Kirchturmmentalität und -politik ist auf dem Rückzug.
- der Grundüberzeugung bei vielen politischen Entscheidungsträgern, daß
internationale Kooperation dem Vorteil des eigenen Landes dient. Diese
Überzeugung findet sich sowohl in den wirtschaftlich starken Ländern, wo
Exportmärkte für High-Tech-Produkte gesucht werden, als auch in armen
Ländern, wo Investitoren und Märkte für arbeitsintensivere Produkte und
Teilhabe an internationalen Hilfsprogrammen gesucht werden.
Die Ideologisierung dieser Grundüberzeugung ist der Ultraliberalismus, die
ausschließliche Forderung von möglichst schneller und weitgehender
Liberalisierung, sowohl im eigenen Land als auch international: Sie ist am
ausgeprägtesten in den USA vertreten und war und ist insbesondere Ziel
verschiedener Administrationen der USA, die sie insbesondere im früheren GATT
und der jetzigen WTO durchzusetzen versuchen, mit erheblichem Erfolg. In Europa
ist sie mit dem Namen Margret Thatcher und der Konservativen Partei von
Großbritannien verbunden, aber auch mit Positionen des deutschen
Bundeswirtschaftsministeriums unter der Regierung Kohl. Ziele sind Freihandel,
Freizügigkeit des Kapitals, Abbau des Staates, Abbau von sozialer Sicherheit,
Regelung möglichst vieler wichtiger Fragen über den Markt (Deregulierung).
Die Befürworter dieser Ideologie sind besonders die großen Konzerne, die als sog.
global players damit glänzend zurechtkommen, und die an ihnen orientierten
Wissenschaftler und Politiker, auch manche Gewerkschaftler.
Diese Ideologisierung von Aspekten der G. ist m.E. sorgfältig von dem
weltgesellschaftlichen Gesamtphänomen G. zu unterscheiden; ich versuche dieser
Unterscheidung Rechnung zu tragen durch eine Schilderung der mittelfristigen
Folgen von G. seit dem 2. Weltkrieg einerseits und den Übersteigerungen einer
extremen Liberalisierung unter den Stichworten Angebotsökonomik und Staatsabbau
andererseits.
Stichworte zu den Folgen von Globalisierung
seit dem 2. Weltkrieg:
Umwelt: Wenn man die Geschichte des Umweltschutzes in Deutschland betrachtet,
so kann man den Schluß ziehen, daß durch die Erfahrungen in USA und Japan und
die Umwelt-Konferenz der UN von 1972 der Umweltschutz positiv beeinflußt wurde.
Andererseits gerieten immer weitere Gebiete der Welt in den Sog von aggressiver
Ressourcennutzung und Umweltzerstörung, insbesondere in den wenig
organisierten Ländern des Südens.
In Folge davon wurde erkannt, daß Umweltschutz weltweit und in gewisser
Abstimmung der Staaten untereinander realisiert werden muß. Die programmatische
Konsequenz sind insbesondere das Montrealer Protokoll von 1987 sowie die
AGENDA 21 und die Klima-Konvention, die beide von 170 Staatschefs 1992 in Rio
de Janeiro verabschiedet wurden. Die Realisierung erfolgt zwar schleppend, aber
Globalisierung ist nicht der Haupthinderungsgrund, sondern die Egoismen der USA
und der Erdölförderländer.
Entwicklung: Wenn wir unter Entwicklung den Abbau von Armut in wenig
industrialisierten Ländern verstehen, dann ist das Ergebnis ein Teil-Teils: Länder
wie Taiwan, Singapur, HongKong haben zweifellos von der G. profitiert; Länder wie
Peru, Bolivien, Kolumbien als vorwiegend Rohstofflieferanten haben bisher wenig
bis gar nicht profitiert. Von 1990 bis 1997 nahm aber die Zahl der Länder mit
Gewinnen aus der Globalisierung zu. Beispiele dafür sind Polen und Tschechien.
Erst durch die Wirtschaftskrise in Asien, die verursacht wurde durch einen Rückzug
von Investoren aus Ländern wie Thailand und Indonesien, änderte sich das
teilweise.
Wenn man die Folgen für Deutschland betrachtet, so überwogen bis in die 80er
Jahre die Vorteile: durch die günstige Konkurrenzsituation der deutschen Firmen
weltweit waren die deutschen Unternehmer bereit, Spitzenlöhne an Arbeitnehmer in
Deutschland zu zahlen. Armut gab es kaum.
Spätestens seit dem Anfang der 90er Jahre überwiegen in Deutschland die
Nachteile: mit dem Verweis auf den globalen Wettbewerb und der Drohung mit
Produktionsverlagerungen in Billiglohnländer konnten Manager und Kapitaleigner
die Arbeitnehmer unter Druck setzen und die zur Lohnzurückhaltung bewegen, die
noch nicht entlassen waren. Armut, Arbeitslosigkeit und Unsicherheit für immer mehr
Bürger nahmen zu, während gleichzeitig Gewinne und Börsenkurse stiegen. Soziale
Indikatoren signalisieren eine Abnahme von Lebensqualität. Hieraus speisen die G.-
Skeptiker ihre Argumentation.
Wenn man soziale Gruppen unterscheidet, die profitieren bzw. verlieren, so sind in
Deutschland diejenigen Arbeitnehmer eine eindeutige Verlierergruppe, die an wenig
qualifizierten Arbeitsplätzen in Branchen mit hoher Verlagerungsmöglichkeit bzw.
Importsubstitution arbeiten. Das sind insbesondere Chemie, Stahl und
Kohlebergbau.
Globalisierung und Frieden:
Nach der unter dem Stichwort Einflußfaktoren gemachten Aussage zum Stellenwert
von Kriegen müßte die Zahl der Kriege unter dem Einfluß der Industrialisierung
abgenommen haben. Dem stehen natürlich die Erfahrungen mit der ersten Hälfte
des 20. Jahrh. gegenüber, mit 1. und 2. Weltkrieg. Sie wurden mit industriellen
Mitteln geführt und verursachten mehr Tote als alle Kriege vorher. Ich vermute, man
könnte zeigen, daß die Hauptakteure noch die Kriegsvorstellung des
Feudalzeitalters im Sinn hatten. Aber das kann hier nicht geklärt werden.
Fest steht, daß seit 1945 zwischen demokratischen Industriestaaten Kriege nicht
mehr vorkamen. Demgegenüber gab es die Stellvertreterkriege im Zuge des Kalten
Krieges. Mit Ende des Kalten Krieges gilt auch als Aussicht für die Zukunft: es ist
schwer vorzustellen, daß zwischen OECD-Staaten Kriege geführt würden.
Da Globalisierung die Ausweitung des Industriesystems bedeutet, sollte prinzipiell
Krieg immer weniger ein Mittel der Politik sein. Kriege sind damit nicht
ausgestorben. Aber ihre Bedeutung nimmt ab. Das sollte auch gelten für Kriege wie
den der NATO gegen Serbien wegen Kosovo 1999 zur Sicherung einer
Bevölkerungsgruppen. Die Auswertung zeigt, daß er weit mehr negative als positive
Effekte hatte, insbesondere auch auf die Position demokratischer Kräfte in Serbien,
und vor einer Wiederholung an anderer Stelle nachdrücklich gewarnt werden muß.
Was speziell die Atomwaffen angeht, die, wie ich oben sagte, einen Zwang zum
Frieden zur Zeit des Kalten Krieges ausgeübt haben, so hoffe ich, daß in einer
weiter ausgebauten Weltgesellschaft Atombomben abgeschafft werden, weil
langfristig das Versagen der Kontrolle nicht auszuschließen ist. Die Schwierigkeiten
bei der Realisierung sind aber nicht zu übersehen.
Es stellt sich dann noch die Frage: Ist Friede nur die Abwesenheit von Krieg oder
geht Friede darüber hinaus? In einer ersten Nährung wird Krieg hier verstanden als
bewaffneter Konflikt zwischen Staaten. Bürgerkriege wie in Nordirland oder im
Baskenland werden nicht explizit behandelt. Sozialer Friede wird unter dem
Stichwort Entwicklung mit einbezogen.
Gegenwärtige Probleme der extrem liberalisierten
Weltwirtschaft:
Mit der Wahl des konservativen US-Präsidenten Reagan bekamen ideologisch
fixierte liberale Ökonomen ein Maß an Einfluß, das zu dramatischen Übertreibungen
geführt hat. Als Industrieländer waren insbesondere die USA und unter Thatcher GB
betroffen. Über den Weltwährungsfond und die Weltbank wurde aber der
ultraliberale Einfluß auf viele wenig industrialisierte Länder ausgeweitet. Nun konnte
sich der schon vorher begonnene Abbau fester Wechselkurse mit zunehmender
Liberalisierung der internationalen Kapitalmärkte voll in Richtung einer
internationalen Spekulationswirtschaft auswirken. Der deutsche Aktienkurs stieg in
wenigen Jahren um mehr als das Dreifache.
In fast allen Industrieländern führte das ultraliberale Konzept zwar zu mehr
Wirtschaftswachstum, aber auch zu einer scharfen sozialen Polarisierung und
innenpolitischen Destabilisierung. Die Unfähigkeit der Marktkräfte, auch soziale
Gerechtigkeit als Wert anzuerkennen und als ein Ziel der Wirtschaftspolitik zu
verfolgen, führte zu einem Rückgang der sog. Lohnquote, zu einer Zunahme von
Armut und Kriminalität. Der laut Statistik immer noch wachsende Wohlstand
konzentriert sich bei einem immer kleineren Teil der Bevölkerung.
In einigen Ländern Asiens (besonders Thailand, Malaysia und Indonesien) haben
die Entscheidungsträger das ultraliberale Konzept zur Grundlage ihrer Politik
gemacht. Es wurde, vor allem durch Kapitalimport, ein auf Export basiertes
Wirtschaftswachstum angeregt, das aber 1997-98 in der sog. Asienkrise einen
herben Rückschlag erlitten hat. Die Spekulation hatte dramatische Ausmaße
angenommen, thailändische Banken gerieten in Schwierigkeiten, ausländische
Investoren wurden mißtrauisch und begannen, ihr Kapital insbesondere aus
Thailand, Indonesien und einigen anderen Ländern zurückzuziehen. Wie so oft an
der Börse schlug die gesamte Stimmung um, der Kapitalrückzug verallgemeinerte
sich, neue Investitionen wurden aufgeschoben, die Währungen mehrerer Länder
mußten dramatisch abgewertet werden, Firmen machten Bankrott, das Sozialprodukt
in einigen Ländern sank dramatisch. Malaysia hat inzwischen den freien
Kapitalverkehr aufgegeben. Im Gefolge von wirtschaftlicher Not und politischer
Unruhe in Indonesien wächst der Einfluß islamischer Fundamentalisten.
Im Rußland nach der Wende 1990 war der Vorschlag der Ökonomen der Harvard-
Universität die Errichtung einer Marktwirtschaft innerhalb von 500 Tagen. In einem
Land, in dem bis dahin das Wort Unternehmer soviel wie Blutsauger bedeutete und
es also keine Unternehmer gab, mußte das scheitern; die Folge war die jetzt
praktizierte Mafia-Wirtschaft, in der der Mafia unbequeme Personen riskieren
erschossen zu werden.
In der Europäischen Union hat die Unzufriedenheit mit Arbeitslosigkeit und
Sozialabbau zu Wahlerfolgen der Gegner ultraliberaler Konzepte geführt:
An 14 der 15 Regierungen der Mitgliedstaaten sind sozialdemokratische Parteien
beteiligt. Am spektakulärsten in Frankreich und Österreich haben aber auch rechte
Parteien einen beunruhigenden Einfluß gewonnen, mit ausländerfeindlichen
Parolen.
Strategien für die Entwicklung der Weltgesellschaft
1. Alternative: Abschottung
Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit und der zunehmenden Armut gibt es das
Konzept der möglichst weitgehenden Abschottung Europas von der G.. Abschotten
wollen sich die Vertreter dieser Strategie insbesondere von billigen Arbeitskräften
und von billigen Importen aus Ländern außerhalb der EU. Kritiker des Konzepts,
innerhalb und außerhalb der EU, wie jüngst der polnische Außenminister, sprechen
von dem Konzept Festung Europa.: ein relativ begrenztes Gebiet höheren
Wohlstandes will die anderen vom Wohlstand ausschließen. Gegenwärtig sind die
Ostgrenzen der Festung Europa teilweise identisch mit den Ostgrenzen von
Deutschland, Österreich, Italien. Die Südgrenze Richtung Nordafrika ist das
Mittelmeer. Schon jetzt muß erheblicher Polizei- und Grenzschutzaufwand betrieben
werden, um illegale Einwanderer aufzuhalten. Dieser Aufwand ist dazu noch zum
beträchtlichen Teil vergeblich. Sie merken, daß ich mich hier der Bürokratensprache
bedient habe; konkret heißt das für Afrikaner oder GUS-Bürger, die ihre
Lebenssituation verbessern wollen:
Suchhunde, Menschenschmuggel, Ertrinken in der Straße von Gibraltar, Leben in
der Illegalität, Ausgeliefertsein an kriminelle Akteure, Verhaftung, Abschiebung.
Die Festung Europa wird auch verteidigt durch Beschränkung von Importen aus
Drittländern, wobei allerdings durch die GATT-Runden und die Schaffung der WTO
die Möglichkeiten dazu immer mehr eingeschränkt werden. Das Scheitern der WTO-
Konferenz von Seattle bedeutet nur einen kurzen Aufschub, denn die Interessen des
gesamten Südens gehen in Richtung des Abbau des europäischen Protektionismus,
der sich äußert in Zollgrenzen nach außen und subventionierten Agrarexporten in
Ländern mit niedrigem Pro-Kopf-Einkommen.
Die Befürworter der Abschottung finden sich insbesondere bei vielen
Gewerkschaftlern, bei Teilen des Mittelstandes und auch bei Vertretern des
Umweltschutzes, aus verständlichen Gründen. Von den europäischen Ländern ist
besonders Frankreich stark, wenn auch nicht ausschließlich geprägt von dieser
Strategie.
Die Schlußfolgerung aus diesem Konzept ist die Erwartung, wenn man eine
Abschottung erreiche, könne man Wirtschaftspolitik so weiter betreiben wie bisher.
Wirtschaftswachstum durch Keynesianische Geld- und Haushaltspolitik soll neue
Verteilungsspielräume eröffnen, die per Tarifverhandlungen über
produktivitätsorientierte Lohnabschlüsse auch den Arbeitnehmern zugute kommen
sollen.
Beurteilung
Diese Erwartung ist mittelfristig zum Scheitern verurteilt:
Die Unternehmer werden höhere Löhne zum Anlaß zur Verlagerung weiterer
Produktionen in Regionen mit niedrigeren Löhnen nehmen, mit weiterer Zuname der
Arbeitslosigkeit.
Im Europäischen Währungssystem sind die für eine Keynsianische Politik nötigen
Haushaltsdefizite mit Schuldenaufnahme nicht statthaft und werden mit hohen
Strafzahlungen geahndet.
Das Konzept der Abschottung ist aber auch deshalb unhaltbar, weil es die Vorteile
der Globalisierung gefährdet. Es beschwört wieder die Perspektive von Kriegen
herauf, wenn es viele Ausgeschlossene gibt, die nichts zu verlieren haben als ihre
Misere.
Das Konzept des Abschottens ist auch unter dem Aspekt der Bewußtseinsbildung in
der Bevölkerung der EU falsch. Wir müssen uns darüber klar werden, daß eine
Globalisierung von Produktion, Massenmedien, Verkehrswegen, Wissenschaft nicht
kombinierbar ist mit dauerhaften, langfristigen krassen Unterschieden von Arm und
Reich, sowohl in den Industriegesellschaften selbst als auch zwischen den
Staatengruppen.
Diese Notwendigkeit des Teilens, des Ausgleichs ist bei vielen
Bevölkerungsgruppen unbeliebt:
- Unternehmer und Manager sind tendentiell an niedrigen Löhnen interessiert;
- Arbeitnehmer in Industrieländern lehnen tendentiell Verlagerung von
Arbeitsplätzen in Niedriglohnländer ab, obwohl das ihren dortigen Kollegen nützt.
Die Ablehnung von Abschottung bedeutet nicht die schnelle Aufgabe von Grenzen.
Natürlich müssen die Verhandlungen mit den EU-Beitrittskandidaten auch unter
Einbezug von Übergangsfristen für die Freizügigkeit von Arbeitskräften geführt
werden. Natürlich kann die illegale Einwanderung über die Ost- und die Südgrenze
der EU nicht einfach toleriert werden. Aber diese Konflikte müssen als
Übergangsphänomene gesehen werden, die so schnell wie möglich abzubauen sind.
Es muß Konsens entstehen darüber, daß der kontinuierliche Ausbau der
Weltgesellschaft, die organische Weiterentwicklung der Globalisierung, die Mittel-
und Langfristperspektive darstellt. Diesem Ziel ist der folgende Abschnitt gewidmet.
2. Alternative: Zielkonzept Weltgesellschaft auf der Basis von AGENDA 21
und einer sozialen ökologischen Marktwirtschaft - Zukunftsperspektive Weltgesellschaft
Ein beträchtlicher Teil der gegenwärtigen Angst vor Globalisierung ist Folge
einseitiger Sichtweisen. Viele Bürger sind konzentriert auf kurzfristige Gefahren für
ihren Wohlstand. Sie verlieren dabei die nötige Langfristperspektive aus den Augen.
Natürlich ist der Verlust von Verhandlungsmacht der Gewerkschaften ein großes
Problem. Natürlich ist es für eine Region eine Gefahr, wenn Werke geschlossen
werden. Aber es dürfen keine mittelfristig untauglichen Mitteln dagegen verwendet
werden. Was kurzfristig vielen weniger gefährlich erscheint, nämlich Abschottung
und Rückkehr zu alten Rezepten, kann langfristig viel gravierendere Folgen haben
als eine Neuorientierung.
Es muß von den Chancen der neuen Weltsituation gesprochen werden. Es muß
eine verständliche Perspektive für eine attraktive Weltgesellschaft entwickelt
werden. Insbesondere müssen verschiedene Aspekte deutlich gemacht werden:
- Globalisierung eröffnet die Chance einer Abschaffung von Kriegen.
- Globalisierung eröffnet die Chance für Wohlstand und Umweltschutz weltweit, wie
es in der AGENDA 21 vorgezeichnet ist;
- die Realisierung der AGENDA 21 ist die Voraussetzung für eine Gestaltung der
weltweiten Ökosysteme und sozialen Systeme (Zurückdrängung der Wüsten, ,
Erhaltung und Wiederherstellung von Artenvielfalt; Auflösung der Slums der
Großstädte; Realisierung von vielfältigen, selbstbestimmten
Lebensmöglichkeiten);
- Globalisierung muß nicht Abschaffung kultureller Unterschiede bedeuten,
sondern sollte Entfaltung verschiedener Lebensmöglichkeiten auf der Basis einer
grundsätzlichen Gleichwertigkeit ermöglichen;
- In einem solchen Weltkontext könnte das Leben der Menschen ähnlich viel
Glück enthalten wie heute in Industrieländern, für viele auch mehr. Dabei sind
Voraussetzungen für Glück ein Mindestmaß an befriedigenden sozialen
Beziehungen, an Sicherheit und an materiellem Wohlstand, aber Glück ist nicht
gleichbedeutend mit immer weiter wachsendem Konsumniveau.
Die Voraussetzung für die Realisierung dieser Chancen von Globalisierung ist
insbesondere das intelligente, langfristige Engagement vieler Menschen für diese
Ziele. Durch solche langfristigen politischen und sozialen Anstrengungen wurden in
der Vergangenheit Demokratie, Abschaffung der Sklaverei, Befreiung der Kolonien,
Verbesserung der Arbeitsbedingungen und ein beachtliches Maß an Umweltschutz
in vielen Ländern erreicht.
Einsicht in diese Zukunftsperspektiven einer Weltgesellschaft würde zu einer
Akzeptanz auch gewisser Einschränkungen, Unsicherheiten und Umorientierungen
bei vielen Bürgern in Deutschland und der EU führen. Dann würden sie nicht Abhilfe
gegen die Folgen von Globalisierung durch Zementierung vergangener Formen von
sozialer Sicherheit suchen. Die Niederlande und Dänemark sind Beispiele für
erfolgreiche Anpassung an die gegenwärtigen wirtschaftlichen Bedingungen.
Die Umsetzung könnte insbesondere aus einer Reihe im folgenden skizzierter
Maßnahmen bestehen:
Innenpolitische Maßnahmen
Zwei Maßnahmen werden im Zuge der Politik der seit Okt. 1998 amtierenden
Regierung in Deutschland intensiv diskutiert:
- Senkung der Kosten des Faktors Arbeit
- Ökologische Steuerreform.
Darauf brauche ich jetzt nicht detallierter einzugehen
Vielmehr möchte ich einige zu Unrecht weniger diskutierte Maßnahmen hier
einbringen, die im Zusammenhang mit den vorgenannten zum sozialen Ausgleich
und sozialen Frieden in Deutschland im Kontext einer mehr und mehr globalisierten
Wirtschaft beitragen könnten.
Arbeitsmarkt und Einkommen in Deutschland sind gekennzeichnet durch ein
Paradox: Einerseits werden in großem Stile Überstunden erbracht, andererseits gibt
es große Arbeitslosigkeit. Und das alles mit dem Ergebnis einer wachsenden
Wirtschaft, also zunehmendem Wohlstand, der erwirtschaftet wird. Wenn sowohl
Arbeit als auch BSP gleichmäßiger auf alle Personen verteilt würde, wäre der
soziale Frieden nicht so prekär.
Da im Zuge der Globalisierung steigende Löhne und Gehälter und dadurch
finanzierte Soziale Sicherheit auf zunehmende Schwierigkeit stoßen, müssen neue
Formen des sozialen Ausgleichs gefunden werden.
Einige Maßnahmen in diese Richtung sind seit langem bekannt und seit langem mit
untergeordneter Priorität auch Teil der politischen Diskussion:
- Gewinnbeteiligung,
- Vermögensumverteilung (nach dem Krieg bekannt unter den Bezeichnungen
Lastenausgleich und Vermögensbildung in Arbeitnehmerhand),
- Umverteilung von Arbeit: Dabei wird das vorhandene Arbeitsvolumen (Zahl der
pro Jahr geleisteten Arbeitsstunden) möglichst weitgehend auf die Zahl der
Erwerbspersonen verteilt (Beispiele: Teilzeitarbeit - siehe Modell der
Niederlande, Arbeitszeit-Modell der Volkswagen AG).
- Abschaffung der Jugendarbeitslosigkeit, wenn nötig mit Steuergeldern.
- Erbpacht von Boden und Immobilien
Diese nationalen Maßnahmen sind geeignet, den sozialen Frieden auch im Kontext
einer sich globalisierenden Wirtschaft zu erhalten. Sie bedeuten eine Abkehr vom
Modell der 60er und 70er Jahre, den Staat und die soziale Sicherheit weitgehend
über Abgaben auf Löhne und Gehälter zu finanzieren.
Diese nationalen Maßnahmen sind sinnvoll im Kontext einer internationalen Politik,
die ebenfalls auf die Realisierung einer weltweiten sozialen, ökologischen
Marktwirtschaft gerichtet ist.
Internationale und weltweite Maßnahmen
1. Akteure
wichtig bezüglich Art der Beziehungen zwischen ihnen und den daraus
resultierenden Entscheidungsprozessen und deren Ergebnissen
Regierungen der Staaten
Multinationale Unternehmungen
Nicht-Regierungs-Organisationen
Internationale politische und wirtschaftliche Organisationen:
Vereinte Nationen mit ihren Unterorganisationen
Weltbank
Weltwährungsfond
WTO
ILO
OECD
2. Maßnahmen
Information und Bildung, inkl. weltweitem Austausch in allen Zweigen des
Bildungswesens; Einplanen von Zeit für die nötigen Lernprozesse und die
Ausbreitung demokratischer Strukturen: die Europäer haben 50 Jahre gebraucht, um
den bis jetzt erreichten Grad der Integration zu verwirklichen
Effizientere Organisation und Nutzung der bestehenden internat. Organisationen
Erhebung internationaler Steuern, z.B. Tobin-Steuer
Ausbau von vorhandenen und Schaffung von neuen regionalen Einheiten
Internationale Absprachen
Beachtung des Subsidiaritätsprinzips
Sofort: Schuldenerlaß für die ärmsten Länder, wozu ein erster Schritt 1999 getan
wurde.
Hoffnungszeichen:
Internationale Absprachen, wie das Montrealer Protokoll, zuerst 1987, zur
Beschränkung der Herstellung und des Verbrauchs von Chemikalien, die die
stratosphärische Ozonschicht schädigen, oder das Biosafety-Protokoll von
Januar
2000 über den Handel mit gentechnisch veränderten Organismen.
Rio-Folgeaktivitäten
Wachsende Bedeutung der nationalen Gesellschaften für die Wahrung der
Menschenrechte in un- oder scheindemokratisch regierten Ländern
Internationaler Strafgerichtshof
UN-Kriegsverbrecherprozesse
Lernprozesse bei Weltbank und WTO in Richtung Förderung der
Subsistenzwirtschaft und Berücksichtigung von Umweltschutz
Internationale Kampagnen gegen die genitale Verstümmelung
Wichtige Grundregeln als Zusammenfassung:
GLOBALISIERUNG IST EIN IN VIELEN BEREICHEN STATTFINDENDER
PROZESS, DESSEN CHANCEN GENUTZT WERDEN MÜSSEN, UM AUF EINEM
IMMER DICHTER BEVÖLKERTEN GLOBUS EINE MENSCHENWÜRDIGE
GESELLSCHAFT ZU ERMÖGLICHEN:
DURCH EINE KOORDINATION DER WELTWIRTSCHAFT UND
WELTGESELLSCHAFT MUSS DER RAHMEN FÜR DAS FRIEDLICHE UND
ÖKOLOGISCH VERTRÄGLICHE MITEINANDER UNTERSCHIEDLICHER
SOZIOÖKONOMISCHER TEILSYSTEME GESCHAFFEN WERDEN.
DIE WELTGESELLSCHAFT MUSS AUF ALLEN EBENEN AKTIV GESTALTET
WERDEN UND KANN NICHT EINFACH DEN MARKTKRÄFTEN ÜBERLASSEN
WERDEN.
DEZENTRALITÄT ALS ZIEL IST ZU BERÜCKSICHTIGEN. ES DARF KEINE
STRAFF ZENTRALISTISCH ORGANISIERTE WELTGESELLSCHAFT GEBEN, DA
SICH REGIERUNGSFEHLER IMMER MEHR GLOBAL AUSWIRKEN WÜRDEN.
DAS SUBSIDIARITÄTSPRINZIP IST ÜBERALL ZU BEACHTEN. DIE
INHALTLICHE FÜLLUNG DIESER FORDERUNGEN WIRD SICHERLEICH NOCH
VIELE KONTROVERSEN HERVORRUFEN, WIE SCHON JETZT IN DER
EUROPÄISCHEN UNION.
Ein Nachwort:
Geschichtlicher Rückblick
Es mag Ihnen utopisch erscheinen, was ich Ihnen hier als Programm für die
Realisierung einer demokratischen Weltgesellschaft vorgetragen habe, aber wenn
Sie die Realisierung der Menschenrechte seit dem 16. Jhdt. betrachten, sehen Sie,
was langfristige politische, wissenschaftliche und alltagspraktische Arbeit vermag.
Lokale Aktivitäten
In Osnabrück gibt es eine von der Stadt unterstützte Gruppe, die sich mit einer
lokalen Agenda 21 befaßt. Sie hat die Tel.-Nr. 323-3126. Die Stadt unterstützt auch
das 3. Welt-Zentrum in der Bierstr. Außerdem ist die NRO Terre des Hommes in
OS ansässig.
Literatur
Beck, U., Was ist Globalisierung? : Irrtuemer des Globalismus - Antworten auf
Globalisierung, 6. Aufl., Frankfurt am Main, Suhrkamp, 1999
Beck, U., (Hg.), Politik der Globalisierung, Frankfurt am Main, Suhrkamp, 1998
Boettcher , S., Kulturelle Unterschiede - Grenzen der Globalisierung : ein Vergleich
zwischen dem Westen und Ostasien, Schriftenreihe des Ifo-Instituts fuer
Wirtschaftsforschung, Nr. 147, Berlin, Duncker & Humblot, 1999
Fricke, W., Oetzel, V., (Hg.), Zukunft der Industriegesellschaft, Beiträge zum vierten
internationalen Ingenieurkongress der Friedrich-Ebert-Stiftung und dem VDI, Bonn,
Friedrich-Ebert-Stiftung, 1996
OECD, Trade, investment and development : reaping the full
benefits of open markets, Paris, OECD, 1999
OECD, Nachhaltige Entwicklung : Politikkonzepte der OECD fuer das 21.
Jahrhundert, OECD-Sonderarbeitsgruppe fuer Nachhaltige Entwicklung, Paris :
OECD, 1998
Simon, R., Westermann, K., (Hg.), Standortdebatte und Globalisierung der
Wirtschaft, Hans-BöcklerStiftung, Marburg, Schüren, 1997
Steger, U., (Hg.), Globalisierung der Wirtschaft : Konsequenzen fuer Arbeit, Technik
und Umwelt, Berlin u.a., Springer, 1996
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